Aserbaidschan zerstört armenisch-apostolische Kirche in Stepanakert
Die aserbaidschanischen Behörden haben die armenische Kirche St. Jakob in Stepanakert dem Erdboden gleichgemacht. Die Diözese Artsakh der armenisch-apostolischen Kirche verurteilte diese Zerstörung „aufs Schärfste“ und forderte internationale Institutionen zum Eingreifen auf.
„Dieser kulturelle Genozid, der systematisch, gezielt und auf staatlicher Ebene durchgeführt wird, findet vor den Augen der ganzen Welt statt“, erklärte die Diözese in einer Stellungnahme.
Errichtet wurde die Kirche St. Jakob im Jahr 2005. Bis zu ihrer Erbauung hielten die Gläubigen ihre Gottesdienste im Theatergebäude der Stadt ab, einem ehemaligen Sakralbau, den die Sowjetregierung umfunktioniert hatte, wie The Armenian Mirror-Spectator berichtete.
Jahrelang hatte das neue Gotteshaus dann als geistiges Zentrum der armenischen Bevölkerung Stepanakerts gedient, wo die Gläubigen sich zum Gebet versammelten und sonntags die Kommunion empfingen. Nach dem Exodus der Armenier aus Berg-Karabach im Herbst 2023 steht das Stadtgebiet vollständig unter aserbaidschanischer Kontrolle.
Videobelege für den Abriss veröffentlichte die Facebook-Seite „New Artsakh“. Sergey Shahverdyan, ein ehemaliger Kultur- und Tourismusminister von Artsakh, bestätigte die Zerstörung in den sozialen Medien. Stepanakert besaß mit der Kirche St. Jakob und der Kathedrale der Heiligen Gottesmutter zwei armenische Gotteshäuser. Das Schicksal der Kathedrale gilt nun ebenfalls als gefährdet.
Die Diözese verwies auf weitere bereits zerstörte Gotteshäuser in Artsakh: die Johannes-der-Täufer-Kirche in Schuschi, die Sargis-Kirche in Tandzatap und Mokhrenes, die Himmelfahrtskirche in Berdzor sowie die Zoravor-Mutter-Gottes-Kirche in Mekhakavan. Internationale Institutionen rief die Diözese auf, sofort einzugreifen und weitere Zerstörungen zu verhindern.
Armenien gilt als das erste christliche Staatswesen der Welt: Im Jahr 301 wurde das Christentum dort zur Staatsreligion. Seitdem ist die armenisch-apostolische Kirche, die nicht mit Rom verbunden ist, eng mit der nationalen Identität verwoben.
Aserbaidschan ist hingegen mehrheitlich muslimisch geprägt, wenngleich es sich offiziell um einen säkularen Staat handelt. Aserbaidschanische Stellen haben wiederholt betont, dass die armenischen Kirchenbauten in der Region zum Erbe der historischen kaukasischen Albaner gehören, eines vorarmenischen Volkes.
Damit wird der armenische Ursprung dieser Stätten infrage gestellt. Armenische Vertreter weisen diese Einordnung jedoch als historisch unhaltbar zurück.
