Papst Leo: Demokratie ist nur dann gesund, wenn sie „im Sittengesetz“ verwurzelt ist
In einer Botschaft an die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften, die in diesen Tagen ihre Vollversammlung abhält, hat Papst Leo XIV. betont, die Demokratie sei nur dann gesund, wenn sie „im Sittengesetz“ verwurzelt ist. Die Botschaft ist auf den 1. April datiert und wurde am Dienstag veröffentlicht.
„Die katholische Soziallehre betrachtet Macht nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, das auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist“, so der Pontifex. „Das bedeutet, dass die Legitimität von Autorität nicht von der Anhäufung wirtschaftlicher oder technologischer Macht abhängt, sondern von der Weisheit und Tugend, mit der sie ausgeübt wird. Denn Weisheit befähigt uns, inmitten der Umstände des täglichen Lebens das Wahre und Gute zu erkennen und anzustreben, anstatt scheinbare Güter und Eitelkeit.“
„Diese Weisheit ist untrennbar mit den moralischen Tugenden verbunden, die unseren Wunsch stärken, das Gemeinwohl zu fördern“, fuhr er fort. „Insbesondere wissen wir, dass Gerechtigkeit und Tapferkeit unverzichtbar sind für eine fundierte Entscheidungsfindung und für die Umsetzung von Entscheidungen. Auch die Mäßigung erweist sich als wesentlich für die rechtmäßige Ausübung von Autorität, denn wahre Mäßigung zügelt übermäßige Selbstüberhöhung und wirkt als Schutzwall gegen Machtmissbrauch.“
„Dieses Verständnis von legitimer Macht findet einen seiner höchsten Ausdrucksformen in der authentischen Demokratie“, betonte Leo. „Die Demokratie ist keineswegs nur ein bloßes Verfahren, sondern erkennt die Würde jedes Menschen an und ruft jeden Bürger dazu auf, sich verantwortungsbewusst am Streben nach dem Gemeinwohl zu beteiligen.“
Der Papst erläuterte: „In Anlehnung an diese Überzeugung bekräftigte der heilige Johannes Paul II., dass die Kirche die Demokratie schätzt, weil sie die Mitwirkung an politischen Entscheidungen gewährleistet und ‚die Möglichkeit bietet, diejenigen, die sie regieren, zu wählen und zur Rechenschaft zu ziehen sowie sie gegebenenfalls mit friedlichen Mitteln abzulösen‘.“
„Die Demokratie bleibt jedoch nur dann gesund, wenn sie im Sittengesetz und einer wahren Sicht des Menschen verwurzelt ist“, so das Argument des Papstes. „Fehlt diese Grundlage, läuft sie Gefahr, entweder zu einer Tyrannei der Mehrheit oder zu einer Maske für die Vorherrschaft wirtschaftlicher und technologischer Eliten zu werden.“
„Letztendlich müssen wir, wenn irdische Mächte die tranquillitas ordinis – die klassische augustinische Definition des Friedens – bedrohen, Hoffnung aus dem Reich Gottes schöpfen, das, obwohl es nicht von dieser Welt ist, Licht auf die Angelegenheiten dieser Welt wirft und deren eschatologische Bedeutung offenbart“, forderte Leo.
„In dieser Perspektive des Glaubens werden wir daran erinnert, dass sich Gottes Allmacht besonders in Barmherzigkeit und Vergebung zeigt“, schloss der Papst seine Botschaft. „Die göttliche Macht beherrscht nicht, sondern heilt und stellt wieder her. Genau diese Logik der Nächstenliebe muss die Geschichte beleben, denn vom Nächstenliebe inspiriertes menschliches Handeln trägt dazu bei, die ‚irdische Stadt‘ in Einheit und Frieden zu gestalten und sie – wenn auch unvollkommen – zu einer Vorwegnahme und Vorwegstellung der ‚Stadt Gottes‘ zu machen.“