Papst Leo will Schreiben von Papst Franziskus zur Evangelisierung neu beleben
Papst Leo XIV. hat in einem Brief an die Kardinäle in aller Welt über die Notwendigkeit gesprochen, das Schreiben Evangelii gaudium von Papst Franziskus über die Evangelisierung „neu zu beleben“. Der Pontifex verfasste seinen Brief im Vorfeld des Konsistoriums, also eines Treffens aller Kardinäle, das Ende Juni in Rom stattfinden soll.
Leo verwies auf die Gespräche der Kardinäle beim letzten Konsistorium im Januar. Dabei habe sich gezeigt, „dass dieses Apostolische Schreiben nach wie vor einen wichtigen Bezugspunkt darstellt. Es führt nicht nur neue Inhalte ein, sondern richtet den Fokus erneut ganz auf das Kerygma als Kern unserer christlichen und kirchlichen Identität. Es wurde als ‚frischer Wind‘ gewertet, der – anstatt unmittelbare Strukturreformen hervorzubringen – Prozesse der pastoralen und missionarischen Umkehr in Gang setzen und so den Weg der Kirche tiefgreifend leiten kann.“
Veröffentlicht im Jahr 2013, gehört Evangelii gaudium zu den ersten wichtigen Dokumenten von Papst Franziskus. Der Fokus auf das Thema Evangelisierung, der sich zu Beginn des Pontifikats abzeichnete, ließ später zugunsten von Themen wie Geschwisterlichkeit und Synodalität nach.
„Sie haben in der Tat betont, wie sehr diese Perspektive die Kirche auf jeder Ebene herausfordert“, fuhr Papst Leo in seinem Brief an die Kardinäle, der am Dienstag öffentlich gemacht wurde, fort. „Auf persönlicher Ebene ruft sie jeden Getauften dazu auf, seine Begegnung mit Christus zu erneuern und von einem bloß empfangenen Glauben zu einem wahrhaft gelebten und erfahrenen Glauben überzugehen. Dieser Weg wirkt sich auf die Qualität des geistlichen Lebens aus, die sich im Vorrang des Gebets, im Zeugnis, das den Worten vorausgeht, und in der Übereinstimmung zwischen Glauben und Leben zeigt.“
„Auf der Ebene der Gemeinschaft erfordert sie einen Wandel von einem pastoralen Ansatz der Bewahrung hin zu einem der Mission“, so Leo weiter. „Dies verlangt von den Gemeinschaften, lebendige Träger der Verkündigung zu sein – einladende Gemeinschaften, die eine zugängliche Sprache verwenden, auf die Qualität der Beziehungen achten und in der Lage sind, Orte des Zuhörens, der Begleitung und der Heilung anzubieten.“
Schließlich werde auf Diözesanebene „die Verantwortung der Seelsorger deutlich, missionarischen Mut entschlossen zu unterstützen und sicherzustellen, dass dieser Mut nicht durch organisatorische Überfrachtung belastet oder erstickt wird, sondern von einer Unterscheidung geleitet wird, die uns hilft, das Wesentliche zu erkennen“.
Vor diesem Hintergrund gelte es, über einige Vorschläge der Kardinäle weiter zu reflektieren, darunter „die Notwendigkeit, Evangelii gaudium neu zu beleben, indem ehrlich bewertet wird, was im Laufe der Jahre tatsächlich angenommen“ und was hingegen noch nicht umgesetzt wurde – „mit besonderem Augenmerk auf die notwendigen Reformen der Prozesse der christlichen Initiation“.
Ferner sprach Papst Leo die Bedeutung an, „apostolische und pastorale Besuche als authentische Gelegenheiten für die kerygmatische Verkündigung und für eine Vertiefung der Beziehungen zu schätzen“. Die „Wirksamkeit der kirchlichen Kommunikation, auch auf der Ebene des Heiligen Stuhls“, sei „aus einer explizit missionarischen Perspektive neu zu bewerten“.
Genaue Informationen zum nächsten Konsistorium Ende Juni gibt es noch nicht. Die Vatikanistin Diane Montagna konnte in dieser Woche lediglich über die genauen Termine berichten, aber keine inhaltlichen Aussagen machen.