„Botschaft Christi steht über den Interessen der Politik“: Kardinal Müller zu Trump-Kritik
Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, hat in einem auf kath.net veröffentlichten Kommentar Papst Leo XIV. gegen die Kritik von US-Präsident Donald Trump verteidigt.
„Ein neues Avignon, wovon drohend die Rede war, wird es nicht geben und wer von irgendeinem Machthaber als Gegenpapst aufgebaut wird oder sich dazu machen lässt, ist ein verdammter Verräter am Werk Christi“, schrieb Müller in dem vor einer Woche veröffentlichten Text.
Trump hatte Leo XIV. am 12. April auf Social Media angegriffen. Er nannte den Papst „schrecklich für die Außenpolitik“ und behauptete, Leo billige es, wenn der Iran Nuklearwaffen besitze. Hintergrund war die öffentliche Ablehnung des Papstes gegenüber dem Krieg zwischen den USA und dem Iran.
„Die Kardinäle haben völlig frei und nur im Bewusstsein ihrer Verantwortung vor Gott denjenigen unter ihren Mitbrüdern zum Papst gewählt, den Gott selbst erwählt und gewollt hat als Nachfolger des Hl. Petrus. Und wir Kardinäle haben Papst Leo XIV. den Gehorsam versprochen und die Bereitschaft erklärt für ihn und die Kirche Christi einzutreten bis zum Einsatz des eigenen Lebens“, schrieb Müller weiter.
Unmissverständlich fiel auch das Urteil des Kardinals über Kritiker des Papstes aus. Es sei „klar zu sagen, dass niemand das Recht hat, den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt, den er von Christus erhalten hat, das Evangelium des Friedens zu bezeugen. Die Botschaft Christi steht über den Interessen der Politik und Gott ist unser Richter.“ Kein Sterblicher dürfe sich anmaßen, „den Namen Gottes für seine Interessen zu instrumentalisieren“.
In seiner Stellungnahme würdigte Müller zugleich die besondere Verantwortung der USA als Weltmacht für Frieden, Freiheit und das Wohlergehen der Menschheit. Vor einer Wiederholung der Appeasementpolitik, wie sie gegenüber Hitler einige Zeit gemacht wurde, warnte er ausdrücklich. Diese habe sich „als eine Katastrophe erwiesen und im II. Weltkrieg bitter gerächt“. Das iranische Regime bezeichnete er als „Missbrauch der Religion“, die niemals zur Rechtfertigung von Morden an Unschuldigen dienen dürfe.
Zur Frage militärischer Mittel räumte Müller ein moralisches Dilemma ein. „Die Zerstörung des Kriegsmaterials von diktatorischen Staaten und vor allem ihrer Fähigkeit, Nuklearwaffen einzusetzen, ist moralisch nicht illegitim und kann historisch geboten sein“, schrieb er.
Zugleich hielt er fest, dass „die politisch und militärisch Handelnden sich auch schuldig machen, weil es von Natur aus keine sauberen Kriege gibt, besonders dann, wenn alle friedlichen Mittel von Verhandlungen ausgeschöpft sind“. Das Existenzrecht Israels dürfe außerdem „nie in Frage gestellt werden“.
Müller reihte sich mit seinem Kommentar in eine wachsende Zahl von hochrangigen Kirchenvertretern aus aller Welt ein, die sich hinter Leo XIV. stellten. Kardinal Baldassare Reina, Generalvikar von Rom, sprach dem Papst etwa am 13. April seine „volle Unterstützung“ aus. Ebenso bekundeten die italienische Bischofskonferenz sowie Bischöfe aus England und Schottland ihre Solidarität.
