Papst Leo warnt vor Zurechtbiegen der Wirklichkeit „nach den eigenen Maßstäben“

Papst Leo warnt vor Zurechtbiegen der Wirklichkeit „nach den eigenen Maßstäben“

Am späten Dienstagnachmittag stand für Papst Leo XIV. in Äquatorialguinea eine Begegnung an der Nationaluniversität auf dem Programm, was er zum Anlass nahm, vor einem Zurechtbiegen der Wirklichkeit „nach den eigenen Maßstäben“ zu warnen.

Leo ging aus vom Bild des Baumes, „um über den Auftrag der Universität zu sprechen. Für die Bevölkerung Äquatorialguineas hat die Ceiba, der Nationalbaum, eine große symbolische Bedeutung. Ein Baum schlägt tiefe Wurzeln, reckt sich geduldig und kraftvoll in die Höhe und birgt in sich eine Fruchtbarkeit, die nicht um ihrer selbst willen besteht.“

Dieser Baum sei ein „Gleichnis für das, was eine Hochschule sein soll: fest verwurzelt in der Ernsthaftigkeit des Studiums, im lebendigen Gedächtnis eines Volkes und im beharrlichen Streben nach der Wahrheit. Nur so kann sie stabil wachsen; nur so wird sie in der Lage sein, sich zu erheben, ohne den Kontakt zu der geschichtlichen Wirklichkeit zu verlieren, in der sie steht, und den neuen Generationen neben den Werkzeugen für den beruflichen Erfolg auch einen Sinn im Leben, Kriterien zur Unterscheidung und Beweggründe zum Dienen zu vermitteln.“

Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu Beginn des biblischen Buches Genesis bedeute keine Ablehnung der Erkenntnis an sich, erklärte der Pontifex, „sondern in ihrer Abwandlung zu einer Intelligenz, die nicht mehr versucht, der Wirklichkeit zu entsprechen, sondern diese nach den eigenen Maßstäben zurechtzubiegen und sie nach dem Belieben derer zu beurteilen, die behaupten, sich auszukennen“.

In diesem Fall höre das Wissen auf, „Offenheit zu sein, und es wird zu Besitz; es hört auf, ein Weg zur Weisheit zu sein, und verwandelt sich in eine hochmütige Behauptung der Selbstgenügsamkeit, wodurch es den Weg für Verirrungen ebnet, die bis zur Unmenschlichkeit führen können.“

„Die christliche Tradition kennt noch einen anderen Baum, den Baum des Kreuzes“, fuhr Leo fort. „Sie betrachtet ihn nicht als Verneinung menschlicher Intelligenz, sondern als Zeichen ihrer Erlösung. Während im Buch Genesis von der Versuchung eines von der Wahrheit und dem Guten losgelösten Wissens die Rede ist, offenbart sich am Kreuz hingegen eine Wahrheit, die sich, weit davon entfernt, ihre Herrschaft zu erzwingen, aus Liebe hingibt und den Menschen zu jener Würde erhebt, die ihm von Anbeginn an zugedacht war.“

„In Christus wird der tiefe Einklang von Wahrheit, Vernunft und Freiheit sichtbar“, betonte der Papst. „Die Wahrheit erweist sich als etwas, das dem Menschen voraus ist, ihn anspricht und ihn aufruft, aus sich selbst herauszutreten, und deshalb kann sie vertrauensvoll gesucht werden. Der Glaube beendet diese Suche keineswegs, sondern reinigt sie von Selbstgenügsamkeit und öffnet sie für eine Fülle, nach der die Vernunft strebt, auch wenn diese sie nicht vollständig erfassen kann.“

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