Kardinal Marx beklagt „Stimmungsmache“ in sozialen Medien gegen Synodalen Weg
Kardinal Reinhard Marx hat eine „Stimmungsmache“ in den sozialen Medien gegen den Synodalen Weg beklagt. Der Erzbischof von München und Freising hatte den Synodalen Weg 2019 als damaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) lanciert.
Es habe ihn „schon geärgert“, dass das Narrativ vom schismatischen Synodalen Weg einen solchen Einfluss hatte, sagte der Kardinal in der jüngsten Sonderausgabe der Herder Korrespondenz, in der es um Papst Leo XIV. geht.
„Das ist auch ein Phänomen der Sozialen Medien, gerade im eher reaktionären Lager“, zeigte sich Marx überzeugt. „Dieses trommelt sehr gut koordiniert, vor allem in den Vereinigten Staaten. Das gilt für die Politik, das gilt auch für die Kirche. Die andere Seite ist da nicht so aktiv. Ich habe sowohl Franziskus als auch Leo XIV. immer wieder darauf hingewiesen, dass da Stimmungsmache geschieht.“
„Was Deutschland angeht, hatte Franziskus tatsächlich eine gewisse Sorge, dass unser Vorgehen zu sehr vom Protestantismus herkommt“, ging Marx auf die vatikanische Kritik am Synodalen Weg mit seinen teils drastischen Änderungsbestrebungen ein. „Das fand ich nicht gerecht. Wir haben unsere Kultur, die davon geprägt ist, dass wir diese Spaltung der Kirche hatten und jetzt ökumenisch unterwegs sind.“
„Es geht darum, dass wir auch von den anderen lernen, weil auch die katholische Kirche durch die Trennung ärmer geworden und deshalb heute unvollständig ist“, betonte er. „Das wollen einige nicht wahrhaben.“
Nichtsdestotrotz räumte Marx ein: „In der Kommunikation wäre es sicher besser gewesen, mehr miteinander zu reden. Vielleicht hätten aber auch wir – mich eingeschlossen – das Gespräch vorher suchen müssen. Aber ich gebe zu, ich hatte Sorge, dass wir dann nicht vorangekommen wären. Jetzt gilt es, unseren Synodalen Weg und den weltkirchlichen Prozess gut miteinander zu verbinden.“
Von Papst Leo habe er den Eindruck, „dass er sehr darauf aus ist, wirklich mit allen zu sprechen und zuzuhören“, erklärte der Kardinal. „Er will nicht einfach spontan etwas entscheiden, sondern interessiert sich zuerst für die Meinung vieler verschiedener Leute.“
„Das hat sich schon nach dem Ad-limina-Besuch im Herbst 2022 angedeutet“, führte Marx aus. „Kardinal Robert Francis Prevost gehörte zu der Gruppe der Kardinäle, die dafür waren zu reden. Viele der Teilnehmer der vereinbarten Gespräche haben mir später bestätigt, dass er derjenige war, mit dem man gut sprechen konnte. Danach ist vieles besser geworden.“
Mit Blick auf die Weltsynode zur Synodalität, einen von Papst Franziskus angestoßenen mehrjährigen synodalen Prozess, dessen Ende noch nicht in Sicht ist, sagte Marx, es sei wichtig, „dass Papst Leo XIV. die Kirchenversammlung 2028 bestätigt hat“, die Franziskus kurz vor seinem Tod aus dem Krankenhaus angeordnet hatte.
„Es geht um ein neues Selbstverständnis von Kirche“, erklärte er. „Wir gehören zusammen, und wir haben einen Auftrag. Das wird nicht mehr gehen ohne das Strukturelement der Synodalität. Man kann sich doch nicht vorstellen, dass in 50 Jahren beispielsweise in der Deutschen Bischofskonferenz nur diese 60 Männer hinter verschlossenen Türen tagen und über die Zukunft der Kirche reden. Ich bin nicht gegen die Letztverantwortung der Bischöfe, aber sie muss schon eng verknüpft sein mit dem, was in den Gesprächen und Diskussionen geschehen ist.“
Die Methode des „Gesprächs im Geist“, die bei der Weltsynode eingeführt worden war – ein strukturiertes abwechselndes Sprechen der Mitglieder einer Gruppe, immer wieder unterbrochen von Pausen zur Reflexion – sei indes „auch nicht für alles geeignet, sondern mehr als Einstieg zu sehen, um eine Atmosphäre des Hörens zu schaffen. Danach muss diskutiert werden und es muss schließlich um Texte und um Beschlüsse gehen.“
