Vom Anwalt der Armen zum Kapuziner-Märtyrer: Fidelis von Sigmaringen

Vom Anwalt der Armen zum Kapuziner-Märtyrer: Fidelis von Sigmaringen

Am 24. April begeht die Kirche das Fest des heiligen Kapuziners Fidelis von Sigmaringen. Vor 404 Jahren erlitt der aus Sigmaringen gebürtige Priester sein Martyrium in Seewis im Graubünden.

„In seinem Leben sind Politik und Religion eng verquickt, das war auch die Tragik seines Lebens“, sagte Br. Karl-Martin Gort OFMCap, der Guardian des Kapuzinerklosters Feldkirch, in einem Interview der Deutschen Kapuzinerprovinz.

Markus Roy, wie Fidelis mit bürgerlichem Namen hieß, wurde am 1. Oktober 1578 in Sigmaringen geboren. Sein Vater Johannes Roy war Gastwirt und Bürgermeister der Stadt.

Nach dem Besuch der Lateinschule seiner Heimatstadt studierte Markus Roy am Jesuitenkollegium in Freiburg und anschließend Philosophie und Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg. Ab 1604 reiste er als Hofmeister fünf Jahre lang mit einer Gruppe junger Adeliger durch Deutschland, Frankreich, Oberitalien und spanische Provinzen.

Am 7. Mai 1611 promovierte Roy in Villingen zum Doktor beider Rechte. Anschließend arbeitete er als Advokat am obersten Gerichtshof in Ensisheim, der damaligen Hauptstadt der österreichischen Vorlande. Schon bald galt er dort als Anwalt der Armen.

„Er sah, wie die Armen vor Gerichten benachteiligt wurden, er setzte sich engagiert ein. Schließlich beendete er seine Anwaltstätigkeit, denn er glaubte, dass er als Kapuziner mehr für die Armen tun könnte“, erklärte Br. Karl-Martin Gort.

Nach Angaben der meisten Biografen verließ Markus Roy den Beruf angewidert von der Korruption und den Fehlurteilen im Rechtswesen. Mit päpstlicher Dispens empfing er am 3. Oktober 1612 die Priesterweihe und trat in das Kloster der Schweizer Kapuziner in Freiburg ein. Dort erhielt er den Ordensnamen Fidelis, der „Treue“.

Als Missionar wirkte er in Vorderösterreich, pflegte Typhus- und Pestkranke und unterwarf sich strenger Askese. Zu dieser Zeit unterschrieb er Briefe mit den Worten: „Bruder Fidelis, in Kürze eine Speise der Würmer.“ Als Guardian leitete er nacheinander die Kapuzinerklöster Rheinfelden (1618), Freiburg (1620) und Feldkirch (1621).

In Rom wurde seine Predigtkunst bekannt. Daraufhin beauftragte die Kongregation für die Ausbreitung des Glaubens ihn mit einer Mission im protestantischen Räthien. Br. Karl-Martin Gort zufolge verstand sich das Habsburger Reich als Schutzmacht der Kirche in Graubünden und sah die Region als strategischen Korridor nach Italien: „Man argumentierte mit der Religion, um sich politisch durchzusetzen.“

Am 24. April 1622 predigte Fidelis unter militärischem Schutz in der Kirche von Seewis und rief zur Rückkehr zum katholischen Glauben auf. Als im benachbarten Schiers Kämpfe ausbrachen und ein Gotteshaus in Brand geriet, ergriff auch in Seewis eine aufgebrachte Menge die Waffen. Auf der Flucht wurde Pater Fidelis erschlagen und eilig am Wegesrand verscharrt.

Tage später wollten Mitbrüder den Leichnam nach Feldkirch überführen. Behörden des Bischofs von Chur beschlagnahmten ihn. Im folgenden Handgemenge wurde der Kopf des Märtyrers abgetrennt. Sein Leib ruht seither in der Kathedrale von Chur, das Haupt in der Kapuzinerkirche Feldkirch.

„Er ist ein sperriger Typ, kein frommer Heiliger“, sagte Gort über den Heiligen. Im Feldkircher Kloster werden Kärtchen mit einem überlieferten Gebet des Kapuzinerpaters verteilt: „Lieber Gott, gib mir das Geschenk, dass ich nie jemanden verurteile, auch wenn er noch so schlimm mit mir umgeht oder mir Böses tut, dass ich das Wohlwollen behalten kann.“

Papst Benedikt XIV. sprach Fidelis am 29. Juni 1746 heilig. Der Kapuziner ist Stadtpatron von Sigmaringen und Feldkirch, Patron von Hohenzollern und Vorarlberg sowie Schutzheiliger der Juristen.

In Sigmaringen feiern die Gläubigen seinen Gedenktag mit einem festlichen Gottesdienst und einer abendlichen Lichterprozession. Unter dem Motto „Fidelis – Anwalt der Armen“ richtete die Seelsorgeeinheit einen Hilfsfonds ein. Mit der Kollekte des Festtages und weiteren Spenden werden Praxisgebühren und Medikamente für Obdachlose finanziert.

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