Kardinal Marx: Auch in demokratischen Gesellschaften gerät Pressefreiheit unter Druck
Kardinal Reinhard Marx hat eingeräumt: „Auch in demokratischen Gesellschaften gerät die Pressefreiheit unter Druck, sie ist nicht nur bedroht, wo offene Gewalt herrscht.“ Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sagte im Vorfeld des Welttags der Pressefreiheit am kommenden Sonntag: Oft weniger sichtbar als Einschränken der Pressefreiheit durch Gewalt seien „politische Einflussnahme, wirtschaftliche Abhängigkeiten und technologische Herausforderungen“.
Trotz der Betonung von Pressefreiheit mahnte der Kardinal an, wahrheitsgemäß und ohne Hass zu berichten. So erklärte er: „Besonders die digitale Transformation prägt heute alle Bereiche der öffentlichen Kommunikation. Digitale Plattformen sind zu zentralen Vermittlerinnen von Informationen geworden und beeinflussen maßgeblich, welche Themen präsent sind. Damit wächst auch die Verantwortung der dahinterstehenden Unternehmen, wirksam gegen Desinformation, manipulative Verkürzungen und Hassrede vorzugehen und zugleich Transparenz über ihre Entscheidungen herzustellen.“
Für Journalisten, die „immer häufiger gezielten Anfeindungen und Kampagnen ausgesetzt“ seien, „die darauf abzielen, ihre Arbeit zu diskreditieren und sie persönlich einzuschüchtern“, sei es wichtig, „klare rechtliche Rahmenbedingungen“ zu haben, „die Medienschaffende und ihre Quellen schützen sowie illegale Überwachung unterbinden“.
„Ein drängendes Problem ist die wachsende Konzentration von Macht“, fuhr der Erzbischof von München und Freising fort. „Ein Großteil der globalen Informationskanäle und Plattformen befindet sich im Besitz weniger globaler Akteure. Hier sind die einzigen ‚Währungen‘ Aufmerksamkeit und finanzieller Erfolg. Diese Entwicklung stellt eine ernsthafte Herausforderung für Meinungsvielfalt und freie Meinungsbildung dar.“
„Hinzu kommt der rasante Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI)“, betonte Marx. „Inhalte können mithilfe von KI in bislang ungekanntem Tempo erzeugt und verbreitet werden – auch für politisch motivierte Desinformationskampagnen. Die Dynamik und die Masse von Informationen lassen einem gründlich arbeitenden Qualitätsjournalismus kaum Zeit, kursierende Inhalte zu prüfen und einzuordnen, und erschweren das Unterscheiden von verlässlichen und manipulierten Inhalten. Gleichzeitig geraten journalistische Angebote unter wirtschaftlichen Druck durch den Einsatz von KI-Systemen, die Nachrichten und Zusammenfassungen generieren.“
„Eine freie und unabhängige Presse dient dem Weltgemeinwohl und wurzelt im christlichen Menschenbild, also in der Würde des Menschen, dem gegenseitigen Respekt und der Freiheit aller Menschen“, so das Fazit des Kardinals. „Deshalb ist auch der Einsatz der katholischen Kirche für die Pressefreiheit nicht nur geboten, sondern geradezu unerlässlich.“
