Katholischer Familienverband übt scharfe Kritik an neuem Haushalt in Österreich
Der Katholische Familienverband Österreichs hat mit Blick auf den Haushalt für die Jahre 2027 und 2028, über den die Politik derzeit verhandelt, scharfe Kritik geübt, weil Hilfen für Familien weiter nicht an die Inflation angepasst werden.
Der geplante Haushalt sei aus familienpolitischer Sicht „kurzsichtig, unausgewogen und undurchdacht“, sagte Peter Mender, der Präsident des Familienverbandes. „Bereits 2026 und 2027 wurden Familienbeihilfe und Co. nicht an die Inflation angepasst. Nun müssen die Familien auch 2028 das dritte Jahr in Folge auf die Inflationsanpassung verzichten.“
Für Mehrkindfamilien entspreche die ausbleibende Anpassung an die Inflation mehreren hundert Euro pro Jahr“, rechnete Mender vor. Keine andere Bevölkerungsgruppe würde drei Jahre ohne Erhöhung in Zeiten derart rapide steigender Preise einfach hinnehmen, zeigte er sich überzeugt.
Seit 2020 sind in Österreich die Preise um über 36 Prozent gestiegen, wie das Portal finanz.at zeigt. Seit 2024 liegt der Anstieg immerhin noch bei 11 Prozent. Seit 2002, als der Euro eingeführt wurde, lag die Inflation bei rund 90 Prozent. Für ein Produkt, das 2002 exakt 100 Euro kostete, muss man nun 190 Euro bezahlen.
Mender betonte vor diesem Hintergrund: „Familien sind Leistungsträger. Familienbeihilfe und Co. sind keine Almosen, sondern stehen ihnen zu.“
Gleichzeitig beklagte der Familienverband eine beabsichtigte Kürzung des Familienbonus um 500 Euro für Alleinverdiener. „Künftig soll der Familienbonus für Kinder ab drei Jahren nur mehr dann in voller Höhe bezogen werden können, wenn beide Elternteile erwerbstätig sind“, erläuterte der Verband. Mender kommentierte: „Das ist eine klare Einschränkung der Wahlfreiheit und damit werden Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, bestraft.“
Weitere Kritik kam aus dem Katholischen Familienverband Österreichs angesichts der geplanten Anhebung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung. Von der Erhörhung betroffen seien „vor allem Wiedereinsteigerinnen und Mütter, die aufgrund von Betreuungspflichten Teilzeit arbeiten oder generell im Niedriglohnsektor beschäftigt sind“, sagte Mender.
Der Familienverband rechnete vor, was in dieser Situation passieren kann: „Wenn eine Mutter nun beginnt, Teilzeit zu arbeiten, um den für sie reservierten 500 Euro Familienbonus zu erhalten, kann es ihr passieren, dass sie zwar den Familienbonus bekommt, aber mit 918 Euro Arbeitslosenversicherungsbeitrag zur Kasse gebeten wird.“ Für Mender ist dies „der eigentliche Faustschlag ins Gesicht tausender Familien“.
Man habe zwar Verständnis für Sparmaßnahmen, zu denen auch Familien ihren Beitrag leisten. „Mehrkindfamilien aber derartig schlechter zu stellen, indem Teilzeitarbeit bestraft wird“, ist laut Familienverband „absolut nicht nachvollziehbar“.
