Vatikan war gegen Homo-Segnungen in Deutschland – aber Dokument wurde laut DBK revidiert

Vatikan war gegen Homo-Segnungen in Deutschland – aber Dokument wurde laut DBK revidiert

Ein erst jetzt auf der Internetseite des Dikasteriums für die Glaubenslehre veröffentlichtes Schreiben zeigt, dass der Vatikan schon Ende 2024 die deutschen Bischöfe vor der Publikation eines Textes zur Segnung homosexueller Verbindungen warnte. Der Text widerspreche nämlich der Erklärung Fiducia supplicans des Glaubens-Dikasteriums von Ende 2023 – die allerdings „Segnungen von Paaren in irregulären Situationen und gleichgeschlechtlichen Paaren“ grundsätzlich als „Möglichkeit“ in den Raum stellte.

Der auf den 18. November 2024 datierte Brief ist an Bischof Stephan Ackermann gerichtet – der als „Stephen“ bezeichnet wird –, aber es geht allgemein um die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und die Bestrebungen, homosexuelle Verbindungen zu segnen.

Kardinal Víctor Manuel Fernández, der Präfekt des Glaubens-Dikasteriums, führte zwei Kritikpunkte zu einem dem Vatikan aus Deutschland vorgelegten „Vademecum“ an, bei dem es sich um eine später revidierte Vorgängerversion des Textes „Segen gibt der Liebe Kraft“ handelt, wie Matthias Kopp, der Pressesprecher der DBK, gegenüber CNA Deutsch bestätigte.

Dieses Dokument wurde am 4. April 2025 vom der DBK und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in der Gemeinsamen Konferenz beschlossen und kurze Zeit später – nach dem Tod von Papst Franziskus, aber vor der Wahl von Robert Francis Prevost OSA zu Papst Leo XIV. – veröffentlicht. Es geht zurück auf einen Beschluss des deutschen Synodalen Wegs.

Inhalte des Schreibens von Kardinal Fernández

Im deutschen „Vademecum“, so Fernández, sei „die Rede von einer Verbindung und einer ‚offiziellen Regelung‘ durch die Seelsorger für Paare, die sich außerhalb der Ehe lieben; diese werden zudem Gegenstand einer regelrechten ‚Akklamation‘, einer Geste, die normalerweise im Eheschließungsritual vorgesehen ist. In diesem Sinne entscheidet man sich faktisch dafür, den Status solcher Paare zu legitimieren, was im Widerspruch zu den Aussagen von Fiducia supplicans steht.“

Tatsächlich hatte es in Fiducia supplicans geheißen, die homosexuellen oder anderweitig irregulären Verbindungen dürften „nicht die Legitimation ihres eigenen Status beanspruchen“. Es gehe vielmehr darum, zu „bitten, dass alles, was in ihrem Leben und ihren Beziehungen wahr, gut und menschlich gültig ist, durch die Gegenwart des Heiligen Geistes bereichert, geheilt und erhöht wird“. Eindeutig erkannte Fiducia supplicans damit an, dass es auch in homosexuellen „Beziehungen“ bestimmte Elemente gebe, die „wahr, gut und menschlich gültig“ seien.

Der zweite Kritikpunkt von Fernández bezog sich auf die Tatsache, dass im deutschen „Vademecum“ zwar einerseits von „‚Spontaneität und Freiheit‘ im Zusammenhang mit Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare gesprochen“ werde, „was darauf hindeutet, dass diese nicht durch rituelle Formen institutionalisiert werden sollten“. Danach werde allerdings „eine vorgegebene Form für deren Durchführung vorgeschlagen, was im Widerspruch zu den zuvor gemachten Aussagen steht“.

„Insbesondere im letzten Abschnitt (‚Form‘) wird, nachdem bekräftigt wurde, dass ‚die Art und Weise, wie der Segen vollzogen wird, der Ort, die Ästhetik des Ganzen, einschließlich der Musik und des Gesangs, von der Wertschätzung der Personen zeugen müssen, die um den Segen bitten‘, eine Art Liturgie oder Paraliturgie für den Segen gleichgeschlechtlicher Paare vorgeschrieben“, hieß es weiter im Schreiben des Präfekten des Glaubens-Dikasteriums.

Zentrale Passagen in „Segen gibt der Liebe Kraft“

In „Segen gibt der Liebe Kraft“, der endgültigen Version des vom Vatikan kritisierten Textes, findet sich kein Abschnitt mehr, der mit „Form“ überschrieben ist. Stattdessen finden sich mehrere „Hinweise für die Praxis“. An zwei Stellen erwähnt der Text in diesem Abschnitt „größere Spontaneität und Freiheit“. Ausdrücklich heißt es: „Aus diesem Grund sind für die Segnungen keine approbierten liturgischen Feiern und Gebete vorgesehen. Die Segnungen sollen so gestaltet sein, dass es zu keiner Verwechslung mit der gottesdienstlichen Feier des Ehesakraments kommt.“

Passagen, die den von Fernández kritisierten Punkten ähneln, lauten: „Die Kirche nimmt den Wunsch des Paares ernst, seinen weiteren Lebensweg unter den Segen Gottes stellen zu wollen. Sie sieht in der Bitte um Segen die Hoffnung auf eine Gottesbeziehung, die menschliches Leben tragen kann. Um das Paar in dieser Hoffnung zu ermutigen, beteiligen sich möglichst alle, die die Segnung mittragen, im Zusammenspiel mit dem Leiter/der Leiterin durch Akklamation, Gebet und Gesang.“ Und: „Die Art und Weise der Leitung der Segnung, der Ort, die gesamte Ästhetik, darunter auch Musik und Gesang, sollen von der Wertschätzung der Menschen, die um den Segen bitten, von ihrem Miteinander und ihrem Glauben künden.“

Unklar ist, welche Revisionen zwischen November 2024 und April 2025 an dem vom Glaubens-Dikasterium kritisierten „Vademecum“ vorgenommen wurden. Gegenüber CNA Deutsch erklärte Kopp, der DBK-Pressesprecher, der Brief von Fernández an Ackermann „bezieht sich auf den Entwurf des Textes ‚Segen gibt der Liebe Kraft. Segnungen für Paare, die sich lieben. Handreichung für Seelsorger*innen‘, der auf der Grundlage des Handlungstextes ‚Segensfeiern für Paare, die sich lieben‘ in einer von der Gemeinsamen Konferenz eingerichteten Arbeitsgruppe erarbeitet worden ist“.

„Der Entwurf wurde nach Eingang des Briefes noch einmal überarbeitet, um den kritischen Anmerkungen Rechnung zu tragen“, betonte Kopp. „Er wurde dann nach der Beratung im Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz und der Annahme durch die Gemeinsame Konferenz am 23. April 2025 veröffentlicht. Der Brief von Kardinal Fernández hatte also als Referenzdokument einen anderen Text als den im April 2025.“

Papst Leo über Segnungen für homosexuelle Verbindungen

Zuletzt hatte sich Papst Leo auf dem Rückflug von Afrika nach Rom am 23. April 2026 zum Umgang mit Segnungen für homosexuelle Verbindungen in Deutschland geäußert. So sagte er: „Der Heilige Stuhl hat bereits mit den deutschen Bischöfen gesprochen. Der Heilige Stuhl hat deutlich gemacht, dass wir mit der formalisierten Segnung von Paaren nicht einverstanden sind – in diesem Fall von homosexuellen Paaren, wonach Sie gefragt haben, oder von Paaren in irregulären Situationen –, die über das hinausgeht, was Papst Franziskus, wenn man so will, ausdrücklich erlaubt hat, als er sagte, dass alle Menschen Segen empfangen.“

Gleichzeitig betonte der Pontifex, er halte es „für sehr wichtig zu verstehen, dass es bei der Einheit oder Spaltung der Kirche nicht um sexuelle Fragen gehen sollte. Wir neigen dazu zu denken, dass, wenn die Kirche über Moral spricht, das einzige moralische Thema das der Sexualität ist. Ich glaube aber, dass es in Wirklichkeit viel größere, wichtigere Themen gibt, wie Gerechtigkeit, Gleichheit, die Freiheit von Männern und Frauen, Religionsfreiheit – all das hätte Vorrang vor diesem speziellen Thema.“

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