„Die Liebe vollbringt Wunder“: Papst Leo besucht Pompeji
Obwohl Regen angesagt war, füllten bereits in den frühen Morgenstunden Tausende von Menschen die Piazza Bartolo Longo in Pompeji, wo Leo XIV. am Freitagmorgen gegen neun Uhr eintraf, um den ersten Jahrestag seiner Wahl zum Papst zu begehen. Leo wurde nämlich genau vor einem Jahr, am 8. Mai 2025, zum Papst gewählt – genau an dem Tag, an dem die Kirche das Gedenken an Unsere Liebe Frau von Pompeji feiert.
Die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz in Pompeji wurde in verschiedenen Epochen erbaut. Der ursprüngliche Bau, ein lateinisches Kreuz mit einem einzigen Kirchenschiff, wurde zwischen 1876 und 1891 errichtet. Um die zahlreichen Gläubigen aufzunehmen, die dorthin strömten, wurde der Wallfahrtsort zwischen 1934 und 1939 erweitert, wobei die Struktur eines lateinischen Kreuzes beibehalten und die Anzahl der Kirchenschiffe von einem auf drei erhöht wurde.
Der Name Pompeji ist eng mit Bartolo Longo verbunden, der im Oktober 2025 von Papst Leo XIV. heiliggesprochen wurde.
Papst Leos erster Termin fand im Heiligtum statt, wo er den „Tempel der Nächstenliebe“ besuchte, eine Einrichtung, die Menschen in Not aufnimmt und betreut. Nach der Begrüßung durch Erzbischof Tommaso Caputo von Pompeji folgten bewegende Zeugnisse von mehreren Personen, darunter ein Ehepaar, das seit 24 Jahren verheiratet ist und zwei Kinder mit schweren Behinderungen adoptiert hat.
„Es ist schön für mich“, begann der Papst, „diesen Pastoralbesuch auf den Spuren des heiligen Bartolo Longo zu beginnen, den ich am 19. Oktober letzten Jahres heiligsprechen durfte. Hier, in den Werken des Heiligtums, erlebt man jeden Tag die Kraft der Auferstehung Christi, die in der Liebe die Herzen zu einem guten Leben nach dem Evangelium erneuert. Hier stützen sich der Tempel der Nächstenliebe und der Tempel des Glaubens gegenseitig. Das Gebet nährt die Gastfreundschaft, die Zuneigung, den Dienst und das großzügige Engagement so vieler Menschen in den Bildungszentren, in den Familienhäusern und in der Suppenküche für die Armen. Und die Liebe vollbringt Wunder, die weit über alle Anstrengungen und Erwartungen hinausgehen: in den Gliedern der Leidenden und noch mehr in den Seelen.“
Leo bat alle Anwesenden, „Männer und Frauen des Gebets zu sein, um wie klare und demütige Spiegel das Licht widerzuspiegeln, das von Gott kommt. So werdet ihr durch Taten und Worte die Flamme der Liebe nähren, die der heilige Bartolo entzündet hat, und ihr werdet im Dienst, im Dialog und im Glaubensleben glaubwürdige Vorbilder und weise Wegweiser für diese wunderbare Jugend sein. Und euch, Kinder, Jugendlichen und jungen Menschen, empfehle ich, Vertrauen zu haben in diejenigen, die sich mit Liebe um euer Heranwachsen kümmern, und noch mehr – und immer in eurem Leben – auf Jesus zu vertrauen, den Sohn Gottes, den Gekreuzigten und Auferstandenen, der uns rettet und befreit, den Freund, der uns niemals verlässt oder zurückweist, den Bruder, der uns versteht und immer mit uns geht. Lasst euch von der Freude mitreißen und antreiben, die von seinen Worten und seinem Beispiel ausgeht, und verkündet sie allen. Unsere Welt braucht sie so sehr, und ihr, die ihr sie gut kennt, könnt mit eurer Frische die überzeugendsten Zeugen dafür sein.“
„Guten Morgen, Pompeji! Unsere Mutter Maria, die Mutter, ist immer bei uns“, sagte der Papst, als er die Gläubigen, die auf die Feier der Messe warteten, spontan begrüßte. Und vor der Eucharistiefeier am Freitagvormittag wollte Leo XIV. die Kranken und Menschen mit Behinderungen im Heiligtum besuchen.
„Ich bin der Erste, der gesegnet wird“, fügte der Papst hinzu, nachdem er die Kranken begrüßt hatte, „dass ich am Tag der Fürbitte hier sein darf. Wir sind vereint mit Jesus Christus und unserer Mutter Maria; auch heute ist Jesus uns nahe und geht mit uns.“
Übersetzt und redigiert aus dem Original von ACI Stampa, der italienischen Partneragentur von CNA Deutsch.
