Ex-CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer stützt deutsche Homo-Segnungen im Konflikt mit Vatikan
Die ehemalige Bundesverteidigungsministerin und CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich im Streit zwischen dem Vatikan und deutschen Bistümern um Segensfeiern für homosexuelle Verbindungen hinter die deutsche Praxis gestellt.
Den Konflikt mit Rom müsse man „ein Stück weit aushalten“, sagte die derzeitige Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung in einem am Dienstag von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) veröffentlichten Interview.
„Es ist eine klassische Debatte, in der wir die deutsche Perspektive vertreten und Rom die Weltkirche im Blick hat. Die Frage von Homosexualität wird in anderen Teilen der Welt komplett anders diskutiert als in Europa“, sagte sie. „Insofern ist dieser Konflikt erstmal nicht verwunderlich. Man muss ihn ein Stück weit aushalten.“
Kramp-Karrenbauer plädierte zudem dafür, an der bestehenden Segnungspraxis festzuhalten. „Vor Ort erlebe ich, dass solche Segensfeiern gelebte Praxis sind“, sagte sie. „Wenn einzelne Priester sie nicht befürworten, sollte es die Möglichkeit geben, dass sie woanders stattfinden können.“ Die derzeitige Debatte solle „in jedem Fall kein Anlass sein, alles wieder zurückzudrehen“.
Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin nannte am 6. Mai in Rom Sanktionen gegen die deutschen Bischöfe „verfrüht“, wie CNA Deutsch berichtete. „Wir haben jedoch bereits seit einiger Zeit einen Dialog begonnen und dabei jeweils unsere Sichtweisen dargelegt“, so Parolin. Die Entscheidung liege beim Papst.
Anlass des Konflikts war die im April 2025 von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gemeinsam veröffentlichte Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft – Segnungen, für Paare, die sich lieben“.
Bereits Ende 2024 hatte das Glaubensdikasterium die deutschen Bischöfe in einem auf den 18. November 2024 datierten Brief vor der Publikation gewarnt. Anfang Mai wurde das Schreiben von Kardinal Víctor Manuel Fernández auf der Internetseite des Dikasteriums veröffentlicht. Adressat war der Trierer Bischof Stephan Ackermann, der in Deutschland für Liturgiefragen zuständig ist.
Im deutschen „Vademecum“, so Fernández in dem Brief, sei „die Rede von einer Verbindung und einer ‚offiziellen Regelung‘ durch die Seelsorger für Paare, die sich außerhalb der Ehe lieben“. Diese würden zudem „Gegenstand einer regelrechten ‚Akklamation‘, einer Geste, die normalerweise im Eheschließungsritual vorgesehen ist“. Fernández folgerte: „In diesem Sinne entscheidet man sich faktisch dafür, den Status solcher Paare zu legitimieren, was im Widerspruch zu den Aussagen von Fiducia supplicans steht.“
Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, erklärte gegenüber CNA Deutsch, der Brief beziehe sich auf eine später revidierte Vorgängerversion des Textes. „Der Entwurf wurde nach Eingang des Briefes noch einmal überarbeitet, um den kritischen Anmerkungen Rechnung zu tragen“, sagte Kopp. Veröffentlicht wurde die Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ am 23. April 2025 nach Annahme durch die Gemeinsame Konferenz aus DBK und ZdK.
Am 6. Mai bekräftigte Fernández gegenüber dem Portal Vatican News, dass die endgültige Handreichung „nicht die Zustimmung des Dikasteriums für die Glaubenslehre“ habe. „Auch wenn der endgültige Text gegenüber dem Entwurf verändert wurde, nimmt er in Wirklichkeit nicht das auf, was im Brief von 2024 geschrieben wurde“, ließ der Kardinal mitteilen.
Trotz der vatikanischen Kritik weitete sich die Anwendung der Handreichung in einzelnen deutschen Diözesen aus. Kardinal Reinhard Marx wies Mitte April 2026 die Priester und hauptamtlichen Seelsorger im Erzbistum München und Freising an, „Segen gibt der Liebe Kraft“ als „Grundlage des seelsorglichen Handelns“ einzuführen. Wer Segensfeiern für homosexuelle Verbindungen oder wiederverheiratete Geschiedene nicht selbst vornehmen wolle, solle Paare an den Dekan oder an andere Seelsorger verweisen.
Marx betonte, „dass es sich bei der Segnung nicht um die Feier einer sakramentalen Ehe handelt“. Dies bedeute jedoch nicht, „dass die Segnung einer nicht sakramentalen Verbindung, die in vielen Fällen schon eine standesamtlich geschlossene zivile Ehe ist, das Paar an den Rand der Gemeinde und der Kirche rückt“.
Innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz ist die Handreichung umstritten. Offizielle Empfehlungen zur Anwendung gaben die Bistümer Limburg, Osnabrück, Rottenburg-Stuttgart und Trier heraus. Das Erzbistum Köln sowie die Bistümer Augsburg, Eichstätt, Passau und Regensburg lehnten die Anwendung mit Verweis auf die römische Erklärung „Fiducia supplicans“ ab.
Papst Leo XIV. hatte sich bereits am 23. April 2026 auf dem Rückflug von Afrika nach Rom zu dem Streit geäußert. „Der Heilige Stuhl hat bereits mit den deutschen Bischöfen gesprochen. Der Heilige Stuhl hat deutlich gemacht, dass wir mit der formalisierten Segnung von Paaren nicht einverstanden sind – in diesem Fall von homosexuellen Paaren, wonach Sie gefragt haben, oder von Paaren in irregulären Situationen –, die über das hinausgeht, was Papst Franziskus, wenn man so will, ausdrücklich erlaubt hat, als er sagte, dass alle Menschen Segen empfangen“, sagte der Papst.
Nach katholischer Lehre ist die Ehe ausschließlich die Verbindung von Mann und Frau, offen für die Weitergabe des Lebens. Der Katechismus der Katholischen Kirche bezeichnet homosexuelle Handlungen als „in sich nicht in Ordnung“ und „in keinem Fall zu billigen“ (KKK 2357). Zugleich sei den betroffenen Personen „mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen“ (KKK 2358).
Kramp-Karrenbauer erwartet, dass die Segensfeiern auch beim Katholikentag in Würzburg eine Rolle spielen werden. Das diesjährige Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ könne „in diesen Zeiten wohl nicht passender sein“, sagte sie der KNA.
Seit dem 1. Januar 2026 steht die ehemalige Bundesverteidigungsministerin und CDU-Vorsitzende an der Spitze der Konrad-Adenauer-Stiftung. Aus dem ZdK war sie 2025 nach Kritik des Laiengremiums am migrationspolitischen Kurs der Union ausgetreten.
