Schweizer Kardinal Tscherrig, langjähriger Vatikandiplomat, mit 79 Jahren gestorben

Schweizer Kardinal Tscherrig, langjähriger Vatikandiplomat, mit 79 Jahren gestorben

Der Schweizer Kardinal Emil Paul Tscherrig ist im Alter von 79 Jahren gestorben, wie der Vatikan am Dienstag bestätigte. Aufgrund seines Alters zählte er zum Kollegium der bei einem Konklave wahlberechtigten Kardinäle. Diese Gruppe ist nun auf 118 Kardinäle geschrumpft – zwei weniger, als das Kollegium eigentlich umfassen darf, obwohl Papst Franziskus die Grenze von 120 wiederholt überschritt.

Papst Leo XIV. verlieh seiner Trauer in einem Telegramm Ausdruck: „Nachdem ich vom Tod von Kardinal Paul Emil Tscherrig erfahren habe, möchte ich allen Angehörigen sowie der Diözesangemeinde von Sion mein tief empfundenes Beileid aussprechen.“

„Ich denke mit Dankbarkeit an seinen treuen Dienst als päpstlicher Vertreter in verschiedenen Ländern und später als Mitglied einiger Dikasterien des Heiligen Stuhls“, fuhr er fort. „In allen ihm anvertrauten Aufgaben hat der verstorbene Kardinal großzügig gewirkt und dabei seine Liebe zur Kirche und zum Nachfolger Petri bezeugt.“

Der Pontifex schloss mit den Worten: „Ich spreche inbrünstige Fürbittegebete für die Seele dieses Dieners des Evangeliums, damit der Herr ihn in das Licht aufnehme, das keinen Untergang kennt, und während ich ihn der mütterlichen Fürsprache der Jungfrau Maria anvertraue, erteile ich allen, die von seinem plötzlichen Tod betroffen sind, den Apostolischen Segen.“

Tscherrig wurde am 3. Februar 1947 als ältestes von acht Kindern einer Bergbauernfamilie in Unterems im Oberwallis geboren. Nach dem Besuch der Grundschule in Unterems wechselte er 1961 an das Kollegium Brig, wo er 1968 die Matura ablegte. Anschließend studierte er Philosophie und Theologie am Priesterseminar in Sitten sowie an der Universität Fribourg, wo er 1974 das Lizenziat in Theologie erwarb.

Tscherrig empfing seine Priesterweihe am 11. April 1974 für das Bistum Sitten. Noch im selben Jahr begann er ein Promotionsstudium an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. In seiner Dissertation im Fach Kirchenrecht beschäftigte er sich mit dem Wesen des Ökumenischen Konzils und analysierte die Entwicklung dieses Begriffs von Trient bis zum Codex Iuris Canonici von 1917. Parallel dazu absolvierte er die Ausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie, wodurch er die Weichen für seine spätere Laufbahn im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls stellte.

Nach Abschluss seiner Studien trat Tscherrig am 1. April 1978 dann also in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Seine ersten Stationen führten ihn an die Nuntiaturen in Uganda, Südkorea und Bangladesch, wo er früh Erfahrungen in unterschiedlichen kulturellen und politischen Kontexten sammelte.

Ab 1985 war er im Staatssekretariat des Heiligen Stuhls in Rom tätig und unterstützte als Assistent des Päpstlichen Reisemarschalls die Planung der Auslandsreisen von Papst Johannes Paul II. Dieser ernannte ihn dann auch am 4. Mai 1996 zum Titularerzbischof von Voli und zum Apostolischen Nuntius in Burundi. Die Bischofsweihe empfing er am 27. Juni desselben Jahres im Petersdom. In Burundi war er in einer Phase tätig, die von politischen Spannungen und Gewalt geprägt war. Seine Aufgabe bestand darin, als Vermittler zwischen den Konfliktparteien zu wirken und die Präsenz des Heiligen Stuhls in einem von Krisen erschütterten Land zu sichern.

Weitere Stationen als Nuntius waren Trinidad und Tobago, Dominica, Jamaika, Grenada, Guyana, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen und die Bahamas ab dem Jahr 2000 – nicht jeder kleine Staat bekommt einen eigenen Vatikanbotschafter. Gleichzeitig war Tscherrig Apostolischer Delegat für die Antillen. Hinzu kamen 2001 noch die Aufgaben als Nuntius in Barbados, Antigua und Barbuda, Suriname sowie St. Kitts und Nevis.

2004 versetzte Papst Johannes Paul II. ihn nach Südkorea und übertrug ihm zusätzlich das Amt des Nuntius in der Mongolei. Papst Benedikt XVI. schickte Tscherrig in Personalunion 2008 nach Schweden, Dänemark, Finnland, Island und Norwegen. 2012 ging es als Nuntius nach Argentinien, also in die Heimat des damaligen Kardinals Jorge Mario Bergoglio, der ein Jahr später zum Papst gewählt wurde.

Schließlich wurde Tscherrig 2017 Nuntius in Italien und in San Marino, bevor seine Amtszeit, die ihn in alle Welt führte, im Jahr 2024 offiziell endete.

Die Ernennung zum Kardinal am 30. September 2023 durch Papst Franziskus markierte den Höhepunkt von Tscherrigs kirchlicher Laufbahn – und kam für alle überraschend. Er ist erst der zehnte Schweizer in der Geschichte der katholischen Kirche, der diese Würde erhielt, und war neben Kardinal Kurt Koch der einzige Schweizer im Kardinalskollegium.

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