Die Eisheiligen: Aus dem Bittgang des Mamertus wurde eine Bauernregel

Die Eisheiligen: Aus dem Bittgang des Mamertus wurde eine Bauernregel

Mit dem Gedenktag der heiligen Sophia von Rom endet am Freitag die Reihe der Eisheiligen. Hinter der bäuerlichen Wetterregel steht eine liturgische Schöpfung des fünften Jahrhunderts: die Bittage vor Christi Himmelfahrt.

„Die Bitt-Tage vor Christi Himmelfahrt sind eine sehr alte katholische Tradition, die vom heiligen Marmetus bereits im 5. Jahrhundert in Gallien eingeführt wurde und sich dann in der ganzen Kirche verbreitet hat“, schrieb Pastor Anton Behrens in einer Betrachtung, die das „Christliche Forum“ am Sonntag veröffentlichte.

Nach Behrens hat der Bittgang einen klaren geistlichen Sinn. An den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt ziehe das Volk Gottes „mit Christus hinaus, der mit seinen Jüngern einst auszog zur Spitze des Ölbergs bei Jerusalem, um von dort vor ihren Augen den Aufstieg in den Himmel zu vollziehen“. An diesen Tagen lege die Kirche dem Herrn alle Anliegen ans Herz, „um sie dem Vater im Himmel darzureichen“.

Auf dem Land trat zu diesem Bitten um Erhörung früh ein zweites Anliegen hinzu: die Sorge um Saat und Ernte. „Dabei halten die katholischen Gemeinden große Flurprozessionen, einerseits um alle Bitten für das pilgernde Volk Gottes auf Erden vorzutragen, andererseits aber auch, besonders in ländlichen Regionen, um eine gute Witterung für die Früchte der Erde“ zu erbitten, so Behrens. Genau hier verzahnen sich Liturgie und Volksfrömmigkeit.

Stifter der Bittage ist der heilige Mamertus, Bischof des südfranzösischen Vienne. Nach der Überlieferung führte er um das Jahr 461 die drei Bittgänge ein, nachdem ein Erdbeben und eine Feuersbrunst die Stadt zu zerstören drohten. Mamertus starb um 475 in seiner Bischofsstadt. Seine Grabstätte ist heute nicht mehr bekannt, seine Reliquien gelten als verschollen.

Aus diesem Bittgottesdienst entwickelte sich über die Jahrhunderte eine bäuerliche Erfahrungsregel. Bereits im 15. Jahrhundert erwähnt Konrad Dankrotzheim die Tage in seinem „Heiligen Namenbuch“ als Zäsur zwischen Spätfrost und sommerlicher Wärme.

„Unter den ‚Eisheiligen‘ wird die letzte mögliche Kälteperiode mit Nachtfrostgefahr um Mitte Mai verstanden“, fasst das Vivat! Magazin zusammen.

Pankratius, der zweite Heilige der Reihe, ist der jüngste Märtyrer der Gruppe. Der Überlieferung nach kam er um 290 als Sohn eines wohlhabenden Römers in Phrygien auf dem Gebiet der heutigen Türkei zur Welt.

Nach dem frühen Tod seiner Eltern zog er mit seinem Onkel Dionys um 303 nach Rom. Unter der Christenverfolgung Kaiser Diokletians bekannte er sich öffentlich zu seinem Glauben und setzte sein Erbe zugunsten gefangener Christen ein. Am 12. Mai 304 wurde er der Überlieferung nach öffentlich enthauptet. Über seinem Grab in den Katakomben der Via Aurelia entstand um das Jahr 500 eine Kirche, an deren Stelle heute die Basilika San Pancrazio steht.

Servatius von Tongern, dessen Gedenktag auf den 13. Mai fällt, ist der einzige der drei zentralen Eisheiligen, der nicht im Martyrium starb. Nach der kirchlichen Überlieferung stammte er aus Armenien, wurde um 340 Bischof der belgischen Stadt Tongern und nahm an den Synoden von Sardica im Jahr 343 sowie an Rimini 359 teil. Er starb am 13. Mai 384 in Maastricht.

Eine Legende erzählt, „auf dem Grab von Servatius sei niemals Schnee liegengeblieben“. Diese Notiz benennt das Ökumenische Heiligenlexikon als eine der beiden Wurzeln des Eisheiligen-Glaubens.

Bonifatius von Tarsus, vierter in der Reihe, ist nicht mit dem als „Apostel der Deutschen“ bekannten Bonifatius zu verwechseln. Auch sein Leben ist legendarisch überliefert. Demnach wurde er im dritten Jahrhundert in Rom geboren, reiste im Auftrag einer wohlhabenden Römerin nach Tarsus in Kleinasien, erlebte dort die Christenverfolgung unter Kaiser Galerius mit, bekehrte sich zum Christentum, bekannte seinen Glauben öffentlich und wurde dafür getötet. Seine Gebeine sollen später an der Via Latina in Rom beigesetzt worden sein. 

Den Schlusspunkt setzt am 15. Mai die heilige Sophia von Rom, im Volksmund die „kalte Sophie“. Der Überlieferung nach erlitt sie als junge Frau im Jahr 305 unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod. Um das Jahr 846 übertrug Papst Sergius II. ihre Reliquien in die römische Kirche Santi Silvestro e Martino ai Monti. Das bäuerliche Sprichwort ist knapp und volkstümlich: „Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist.“

Die Sammlung solcher Reime ist beachtlich. Das Vivat! Magazin führt mehr als zwanzig Bauernregeln rund um die Eisheiligen auf, von „Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz“ über „Mamerz hat ein kaltes Herz“ bis „Pflanze nie vor der Kalten Sophie“.

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