Erste Enzyklika von Papst Leo, „Magnifica humanitas“, wird am 25. Mai veröffentlicht
Papst Leo XIV. wird seine erste Enzyklika, also sein erstes großes päpstliches Lehrschreiben, unter dem Titel Magnifica humanitas am 25. Mai veröffentlichen, wie der Vatikan am Montag bestätigte. Der Pontifex wird an diesem Tag persönlich um 11:30 Uhr bei einer Veranstaltung zur Veröffentlichung der Enzyklika sprechen. Er unterzeichnete die Enzyklika am 15. Mai.
Laut Vatikan ist der vollständige Titel der Enzyklika„Über den Schutz der Menschenwürde im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“. Magnifica humanitas sind die Anfangsworte der Enzyklika in lateinischer Sprache. Übersetzt bedeuten sie so viel wie „großartige Menschheit“.
Die Redner bei der Präsentation der Enzyklika sind Kardinal Víctor Manuel Fernández, der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Michael Czerny SJ, der Präfekt des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, Anna Rowlands, eine Professorin für Ethik und politische Theologie an der University of Durham im Vereinigten Königreich, Christopher Olah, der Mitbegründer von Anthropic USA, und Léocadie Lushombo, eine Professorin für theologische Ethik an der Jesuit School of Theology der Santa Clara University in Berkeley in Kalifornien. Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin wird ein Schlusswort sprechen.
Der Pontifex hat sich, wie auch schon Papst Franziskus, wiederholt zu KI geäußert, und zwar durchaus kritisch. So schrieb er beispielsweise in seiner Botschaft zum diesjährigen Welttag der sozialen Kommunikationsmittel: „KI-Modelle sind von der Weltanschauung ihrer Entwickler geprägt und können ihrerseits Denkweisen aufzwingen, indem sie die Stereotypen und Vorurteile der Daten, auf die sie zurückgreifen, reproduzieren. Die mangelnde Transparenz bei der Entwicklung von Algorithmen sowie die unzureichende soziale Repräsentativität der Daten führen dazu, dass wir in Netzwerken gefangen bleiben, die unsere Gedanken manipulieren und bestehende soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten aufrechterhalten und vertiefen.“
„Das Risiko ist groß“, warnte Leo. „Die Macht der Simulation ist so groß, dass die KI uns sogar mit der Erzeugung paralleler ‚Wirklichkeiten‘ täuschen kann, indem sie sich unsere Gesichter und Stimmen aneignet. Wir sind in eine Multidimensionalität eingetaucht, in der es immer schwieriger wird, die Wirklichkeit von der Fiktion zu unterscheiden.“
„Ungenauigkeiten verschärfen dieses Problem nur noch“, fuhr er fort. „Systeme, die statistische Wahrscheinlichkeiten als Wissen präsentieren, bieten uns bestenfalls Annäherungen an die Wahrheit, die manchmal regelrechte Täuschungen sind. Die mangelnde Überprüfung von Quellen in Verbindung mit der Krise der Berichterstattung vor Ort, bei der Informationen ständig an den Orten gesammelt und überprüft werden müssen, an denen Ereignisse stattfinden, kann Desinformation weiter begünstigen und zu einem wachsenden Gefühl von Misstrauen, Verwirrung und Unsicherheit führen.“
Mit Blick auf die Zukunft gehe es indes nicht darum, „die digitale Innovation zu stoppen, sondern sie zu lenken und uns ihrer Ambivalenz bewusst zu sein. Es ist an jedem Einzelnen von uns, seine Stimme zur Verteidigung des Menschen zu erheben, damit wir diese Werkzeuge wirklich als Verbündete für uns gewinnen können.“ Dazu brauche es Verantwortung, Zusammenarbeit und Bildung.