Papst Leo genehmigt römische Kommission zur Beschäftigung mit Künstlicher Intelligenz
Papst Leo XIV. hat eine interdikasterielle Kommission genehmigt, die sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigen soll. Hintergrund sei „die Entwicklung des Phänomens der künstlichen Intelligenz in den letzten Jahrzehnten und der jüngsten Beschleunigung ihrer allgemeinen Nutzung“.
Außerdem gehe es um „die potenziellen Auswirkungen auf den Menschen und die Menschheit als Ganzes“, hieß es am Samstag. Als letzter Punkt wurde genannt „die Sorge der Kirche um die Würde jedes Menschen, insbesondere im Hinblick auf seine ganzheitliche Entwicklung“.
Die Genehmigung der Einrichtung einer vatikanischen KI-Kommission erfolgte kurz vor der Veröffentlichung der Antrittsenzyklika von Papst Leo am 25. Mai, die sich schwerpunktmäßig mit der Thematik der Künstlichen Intelligenz befasst.
Der Pontifex hat sich, wie auch schon Papst Franziskus, wiederholt zu KI geäußert, und zwar durchaus kritisch. So schrieb er beispielsweise in seiner Botschaft zum diesjährigen Welttag der sozialen Kommunikationsmittel: „KI-Modelle sind von der Weltanschauung ihrer Entwickler geprägt und können ihrerseits Denkweisen aufzwingen, indem sie die Stereotypen und Vorurteile der Daten, auf die sie zurückgreifen, reproduzieren. Die mangelnde Transparenz bei der Entwicklung von Algorithmen sowie die unzureichende soziale Repräsentativität der Daten führen dazu, dass wir in Netzwerken gefangen bleiben, die unsere Gedanken manipulieren und bestehende soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten aufrechterhalten und vertiefen.“
„Das Risiko ist groß“, warnte Leo. „Die Macht der Simulation ist so groß, dass die KI uns sogar mit der Erzeugung paralleler ‚Wirklichkeiten‘ täuschen kann, indem sie sich unsere Gesichter und Stimmen aneignet. Wir sind in eine Multidimensionalität eingetaucht, in der es immer schwieriger wird, die Wirklichkeit von der Fiktion zu unterscheiden.“
„Ungenauigkeiten verschärfen dieses Problem nur noch“, fuhr er fort. „Systeme, die statistische Wahrscheinlichkeiten als Wissen präsentieren, bieten uns bestenfalls Annäherungen an die Wahrheit, die manchmal regelrechte Täuschungen sind. Die mangelnde Überprüfung von Quellen in Verbindung mit der Krise der Berichterstattung vor Ort, bei der Informationen ständig an den Orten gesammelt und überprüft werden müssen, an denen Ereignisse stattfinden, kann Desinformation weiter begünstigen und zu einem wachsenden Gefühl von Misstrauen, Verwirrung und Unsicherheit führen.“
Mit Blick auf die Zukunft gehe es indes nicht darum, „die digitale Innovation zu stoppen, sondern sie zu lenken und uns ihrer Ambivalenz bewusst zu sein. Es ist an jedem Einzelnen von uns, seine Stimme zur Verteidigung des Menschen zu erheben, damit wir diese Werkzeuge wirklich als Verbündete für uns gewinnen können.“ Dazu brauche es Verantwortung, Zusammenarbeit und Bildung.
„Wir müssen dafür sorgen, dass das Gesicht und die Stimme wieder die Person zum Ausdruck bringen“, forderte Papst Leo. „Wir müssen die Gabe der Kommunikation als die tiefste Wahrheit des Menschen bewahren, an der sich auch jede technologische Innovation orientieren muss.“
