Piusbruderschaft antwortet mit „Glaubenserklärung“ auf vatikanische Schisma-Warnung
Mit einer „Glaubenserklärung“ hat die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. auf die erneute vatikanische Warnung vor einem Schisma reagiert. Die Piusbruderschaft hatte Anfang Februar Bischofsweihen für den 1. Juli auch ohne päpstliches Mandat angekündigt.
Pater Davide Pagliarani FSSPX, der Generalobere der Bruderschaft, erklärte in einem an Papst Leo XIV. gerichteten Schreiben, das der Glaubenserklärung vorangeht, man bemühe sich „seit über fünfzig Jahren“, dem Vatikan den „Gewissenskonflikt angesichts der Irrtümer darzulegen, die den katholischen Glauben und die katholische Moral zerstören“.
„Leider blieben alle geführten Gespräche ergebnislos, und alle geäußerten Bedenken erhielten letztlich keine zufriedenstellende Antwort“, fuhr er fort. In vergangenen Wortmeldungen hatte die Piusbruderschaft auf Dialogangebote hingewiesen, die sie ihrerseits an den Vatikan richtete.
Pagliarani schrieb etwa im Februar, er habe derartige Gespräche „vor genau sieben Jahren in einem Schreiben vom 17. Januar 2019 vorgeschlagen“. Damals aber habe die Kongregation für die Glaubenslehre „kein echtes Interesse an einer solchen Diskussion gezeigt, mit der – mündlich dargelegten – Begründung, dass eine lehrmäßige Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. unmöglich sei“.
Trotz wiederholter Bitte hat auch Papst Leo bisher keine Vertreter der Piusbruderschaft in Audienz empfangen. Während Vertreter anderer Religionen und Konfessionen – darunter die anglikanische Erzbischöfin von Canterbury – immer wieder Papstaudienzen erhalten, und auch Fußballmannschaften oder sogar Mitarbeiter etwa der Augustiner-Brauerei dem Pontifex offiziell begegnen können, wartet die Piusbruderschaft weiter auf eine solche Geste.
Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Víctor Manuel Fernández, hatte der Piusbruderschaft erst ein Dialogangebot gemacht, als sie die Bischofsweihen öffentlich angekündigt hatte. Als Bedingung nannte er jedoch die Aussetzung dieser Weihen sowie die Unmöglichkeit, Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils zu korrigieren, weshalb die Bruderschaft das Angebot ablehnte.
In der Glaubenserklärung formulierte die Piusbruderschaft am Donnerstag, dem Hochfest Christi Himmelfahrt, eine ganze Reihe von Punkten, die sie als „das unverzichtbare Minimum“ dafür sieht, „um in Gemeinschaft mit der Kirche zu stehen“.
So hieß es beispielsweise: „Durch einen göttlichen Beschluss wurde die allerseligste Jungfrau Maria unmittelbar und innig dem gesamten Erlösungswerk beigesellt; daher kommt die Leugnung dieser Verbindung – im Sinne der überlieferten Lehre verstanden – einer Verfälschung des Erlösungsbegriffs selbst gleich, wie ihn die göttliche Vorsehung gewollt hat.“
Hierbei handelt es sich um eine Ablehnung der Argumentation der lehrmäßigen Note Mater populi fidelis des Glaubens-Dikasteriums von 2025, welche den Marientitel „Miterlöserin“ faktisch zurückwies, obwohl dieser in der Tradition der Kirche verankert ist und bis heute von Mariologen ausführlich erklärt wird.
An einer weiteren Stelle schrieb die Piusbruderschaft: „Die widernatürliche Sünde der Unkeuschheit ist von solcher Schwere, dass sie stets und unter allen Umständen vor Gott nach Strafe schreit und dass sie mit jeder Form wahrer und christlicher Liebe radikal unvereinbar ist. Daher kann eine solche ‚Lebensweise‘ unter keinen Umständen als eine Gabe Gottes anerkannt werden. Einem Paar, das dieses Laster praktiziert, muss geholfen werden, sich davon zu befreien, und es darf in keiner Weise – weder formell noch informell – von den Amtsträgern der Kirche gesegnet werden.“
Damit weist die Bruderschaft die Erklärung Fiducia supplicans des Glaubens-Dikasteriums von 2023 zurück, welche „Segnungen von Paaren in irregulären Situationen und gleichgeschlechtlichen Paaren“ grundsätzlich erlaubte. Das Dokument wird nicht nur von der Piusbruderschaft abgelehnt, sondern von Bischöfen in aller Welt, darunter nahezu der gesamte afrikanische Kontinent.
Andere Punkte in der Glaubenserklärung betreffen den Ökumenismus und den interreligiösen Dialog. So gelte etwa, jeder Mensch müsse „Glied der katholischen Kirche sein, um seine Seele zu retten, und es gibt nur eine einzige Taufe als Mittel, um in sie aufgenommen zu werden. Diese Notwendigkeit betrifft die gesamte Menschheit ohne Ausnahme und schließt unterschiedslos Christen, Juden, Muslime, Heiden und Atheisten ein.“ Und: „Der einzig mögliche Weg zur Wiederherstellung der Einheit unter Christen verschiedener Konfessionen besteht in dem dringenden und liebevollen Aufruf an die Nichtkatholiken, den einzigen wahren Glauben innerhalb der einzigen wahren Kirche zu bekennen.“
Außerdem unterstrich die Piusbruderschaft, die Messe könne „in keiner Weise auf ein bloßes Gedächtnis, auf ein geistiges Mahl oder auf eine vom Volk gefeierte heilige Versammlung reduziert werden; ebenso wenig auf eine Feier des Ostergeheimnisses ohne Opfer, ohne Genugtuung gegenüber der göttlichen Gerechtigkeit, ohne Sühne für die Sünden, ohne Versöhnung und ohne Kreuz.“
Das Zweite Vatikanische Konzil blieb in der Glaubenserklärung unerwähnt. Die Piusbruderschaft führt indes verschiedene Kritikpunkte auf Texte dieses Konzil zurück, darunter den Ökumenismus und den interreligiösen Dialog. Damit hebt sie sich ab von anderen konservativen Kritikern, die den heute gewöhnlich praktizierten Ökumenismus und interreligiösen Dialog für problematisch erachten, dies aber in einer Fehlinterpretation des Konzils verwurzelt sehen.
Im Februar schrieb Pagliarani demgegenüber, das Zweite Vatikanum sei in den letzten 60 Jahren von den Päpsten interpretiert worden, beispielsweise in Enzykliken und anderen Apostolischen Schreiben: „Alle diese Dokumente zeigen, dass der lehrmäßige und pastorale Rahmen, in den der Heilige Stuhl jede Diskussion stellen möchte, bereits festgelegt ist.“
