ZDF löscht Beitrag der Kindersendung „logo!“ über Kirche, Intendant räumt Fehler ein

ZDF löscht Beitrag der Kindersendung „logo!“ über Kirche, Intendant räumt Fehler ein

Das ZDF hat einen kontroversen Beitrag seiner Kindernachrichtensendung „logo!“ über die Geschichte der Kirche bzw. des Christentums aus dem Archiv entfernt. Intendant Norbert Himmler räumte in einem Schreiben vom 6. Mai inhaltliche Fehler ein.

„Den von Ihnen kritisierten Beitrag haben wir deshalb aus dem Archiv unserer Erklärstücke entfernt“, schrieb Himmler in seinem Antwortschreiben an die Beschwerdeführer der Programmbeschwerde 116. Die Redaktion sei sich bewusst, „dass ein komplexes Thema in diesem Fall durch die kurze Darstellung und das Weglassen zentraler Aspekte nicht angemessen dargestellt wurde“.

Der gut anderthalbminütige Erklärfilm war am 19. März ausgestrahlt worden. „logo!“ wird vom ZDF produziert und auf dem Kinderkanal KiKA gesendet. Anlass für das Video waren nach Angaben des Senders neu veröffentlichte Mitgliederzahlen der katholischen Kirche bzw. der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Der Beitrag zeichnete einen Bogen vom Mittelalter über Ablassbriefe, Höllenangst und wissenschaftliche Erklärungen bis zu heutigen Kirchenaustritten und Missbrauchsverbrechen. Unmittelbar zuvor hatte „logo!“ positiv über das Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan und das Fest Eid al-Fitr berichtet.

Bereits Ende März hatte das ZDF gegenüber CNA Deutsch eingeräumt, die Kombination beider Beiträge sei „unglücklich“ gewesen. „Eine solche Wirkung war keinesfalls intendiert und die Redaktion wird den Vorgang intern kritisch prüfen“, hatte ZDF-Kommunikationsmitarbeiterin Mailin Erlinger damals erklärt.

Im aktuellen Schreiben ging Himmler einen Schritt weiter. „Tatsächlich war die Kombination beider Inhalte innerhalb einer einzigen ‚logo!‘-Sendung ein Fehler, da dadurch der Eindruck einer beabsichtigten Gegenüberstellung entstehen konnte“, schrieb der Intendant.

Die Redaktion habe „auch aufgrund der vielen Rückmeldungen“ verstanden, dass durch die unmittelbare Aufeinanderfolge „der Eindruck einer wertenden Gegenüberstellung entstehen konnte“.

Gegen die Sendung waren mehrere förmliche Programmbeschwerden eingegangen. Wegen der Häufung behandelte der Sender sie als sogenanntes Mehrfachbeschwerdeverfahren. Größere Öffentlichkeit erhielt das Thema zunächst durch einen Beitrag des früheren ZDF-Hauptstadtkorrespondenten Thorsten Alsleben, der heute Geschäftsführer der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ ist. Er nannte den Beitrag einen „einseitigen Hetzbericht über die Geschichte der christlichen Kirchen“.

Eine weitere förmliche Beschwerde hatte am 16. April Christoph Irion eingelegt, der Geschäftsführer der Christlichen Medieninitiative „pro“. Der Beitrag enthalte „durch Weglassung und fehlende Kontextualisierung mehrere teils problematische historische Fehler“, schrieb Irion. Dadurch entstehe „eine einseitige und teils sachlich falsche Darstellung von Kirche und Glauben“.

Das kirchliche Wirken und das Glaubensleben würden „ausschließlich durch Stereotype wie ‚Hölle‘, ‚Sünde‘, ‚Angst‘ oder ‚schreckliche Verbrechen‘ beschrieben“. Eine solche Darstellung werde dem journalistischen Sorgfaltsgebot und dem Anspruch des ZDF, religiöses Leben nicht herabzuwürdigen, „nicht im Ansatz gerecht“.

Himmler räumte ein, dass eine angemessene Darstellung der historischen Entwicklung des Christentums in einem anderthalbminütigen Beitrag „schwerlich möglich“ sei. Zwar sei der Text vor der Veröffentlichung von zwei externen Experten geprüft worden. Rückblickend komme die Redaktion aber zu dem Schluss, dass das Thema „durch die kurze Darstellung und das Weglassen zentraler Aspekte nicht angemessen dargestellt wurde“.

Religion sei „für viele Menschen ein persönliches, identitätsstiftendes und sensibles Thema“, betonte der Intendant. „An dieser Stelle sind wir mit diesem Thema nicht gut genug umgegangen.“

Die Redaktion wolle „den Gesamteindruck unserer Erklärstücke künftig noch kritischer hinterfragen“. Außerdem würden „interne Workflows im Hinblick auf sensible Themen“ überprüft. Insbesondere die Abfolge redaktioneller Inhalte und die nötige Kontextualisierung komplexer Themen für ein junges Publikum sollten erneut besprochen werden.

Alsleben erklärte gegenüber „pro“, der Intendant gebe immerhin „schwere Fehler und damit eine Verletzung der Programmgrundsätze zu“. Das Löschen aus dem Archiv mache den bei den jungen Zuschauern angerichteten Schaden allerdings nicht wieder gut.

„Das Mindeste wäre eine offizielle Entschuldigung mit Bezug auf den alten Beitrag und einen neuen Beitrag, der die Kirche differenziert zeigt“, sagte Alsleben. Der ZDF-Fernsehrat müsse die beanstandete Sendung zudem „offiziell rügen“.

Irion nahm die Antwort des Intendanten nach eigenen Angaben „mit Respekt zur Kenntnis“, bat den Vorsitzenden des ZDF-Fernsehrats jedoch um eine Behandlung der Programmbeschwerde auch im Aufsichtsgremium.

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