„Netzwerk katholischer Lesben“ fordert Änderung des Katechismus auf Katholikentag

„Netzwerk katholischer Lesben“ fordert Änderung des Katechismus auf Katholikentag

Das „Netzwerk katholischer Lesben“ hat am vergangenen Donnerstag beim Katholikentag in Würzburg eine Änderung des Katechismus der Katholischen Kirche in Sachen Homosexualität gefordert. Sie berief sich auf einen Beschluss des Synodalen Weges und nannte kritische journalistische Nachfragen „Populismus“.

„Papst Franziskus hat die Todesstrafe abgeschafft. Also das heißt: Der Katechismus ist veränderbar. Und das zeigt auch, dass es dort wichtig ist, Veränderung vorzunehmen“, sagte die Standvertreterin in dem veröffentlichten Bericht des katholischen Fernsehsenders K-TV.

„Und genauso muss auch der Katechismus sich auf den Weg machen – das ist übrigens eine Forderung des Synodalen Weges, dass der Katechismus geändert werden muss“, fügte sie an.

Auf den Hinweis der Reporterin, ein solches Netzwerk stehe „eigentlich in Kontrast zur Lehre der Kirche“, entgegnete die Vertreterin: „Wieso glauben Sie, steht das in Kontrast?“ Im weiteren Gespräch warf sie der Reporterin vor, „eine gewisse Ideologie“ zu vertreten, und forderte „mehr Offenheit“ und „mehr Toleranz“ der Presse.

Sie verwies auch auf einen nicht namentlich genannten Weihbischof aus Paderborn, der dem Netzwerk gesagt habe: „Gut, dass Sie da sind.“

Die Berufung der Standvertreterin auf die Forderung des Synodalen Weg lässt sich belegen. Am 9. September 2022 beschloss die Synodalversammlung den Handlungstext „Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“. Darin wandte sich das deutsche Reformprojekt an den Papst und forderte ihn auf, „eine diesbezügliche weltkirchliche Verständigung dazu zu erzielen und entsprechende Veränderungen umzusetzen“.

Wörtlich hieß es in dem Beschluss: „Gleichgeschlechtliche – auch in sexuellen Akten verwirklichte – Sexualität ist damit keine Sünde, die von Gott trennt, und sie ist nicht als in sich schlecht zu beurteilen. Sie ist vielmehr an der Verwirklichung der genannten Werte zu messen.“ Die Synodalversammlung verlangte die Überarbeitung der Passagen 2357 bis 2359 sowie 2396 des Katechismus.

Lehramtlich verbietet die katholische Kirche homosexuelle Handlungen ohne Einschränkung. Der Katechismus stellt in Nummer 2357 fest: „Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind.“ Homosexuell veranlagten Menschen sei „mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen“ (KKK 2358). Nach KKK 2359 sind sie zur Keuschheit gerufen.

Einen Stand auf derselben Kirchenmeile hatte auch der „Ökumenische Arbeitskreis BDSM und Christsein“. Die Abkürzung BDSM steht für Bondage und Discipline, Dominanz und Submission sowie Sadomasochismus.

„Es ist Konsens. Das ist absolut wichtig. Und Konsens ist auch, soweit ich das verstehe, in der katholischen Kirche wichtig – dass man nicht übergriffig ist, sondern vorher Vereinbarungen macht und diese dann auch einhält“, erklärte der Standvertreter gegenüber K-TV.

Aus seiner Sicht sei „auch die Bibel im Menschenbild, was die Sexualität betrifft, sehr, sehr gleich – also wenn man das zum Beispiel wie bei Paulus nachliest: ‚Entzieht euch einander nicht‘ – das richtet sich an Männer und Frauen quasi auf einer Ebene. Und genau das wird im BDSM verwirklicht“, sagte er weiter.

Ein vom Reporter befragter katholischer Priester antwortete auf die Frage nach der Vereinbarkeit von BDSM mit der kirchlichen Sexualmoral knapp: „Da würde ich sagen: eher nein.“

Die Veranstalter sahen im Arbeitskreis „keinen Widerspruch zum Katechismus“. „Der AK BDSM und Christsein ist seit mehreren Katholikentagen auf der Kirchenmeile vertreten. Alle Organisationen mit einem explizit christlichen Bezug haben prinzipiell dieses Recht, sofern sie nicht verfassungsfeindlich oder gruppenbezogen menschenfeindlich sind“, erklärte Cosima Jagow-Duda, Abteilungsleiterin Presse und Marketing beim Katholikentag, gegenüber CNA Deutsch.

Rund 300 Organisationen waren auf der Kirchenmeile in Würzburg vertreten. Neben dem „Netzwerk katholischer Lesben“ und dem BDSM-Arbeitskreis traten weitere Gruppen auf, die in lehramtlicher Spannung zur katholischen Sexualmoral stehen, darunter die Initiative „#OutInChurch“ und die „Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche“.

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