Dogmatiker Wintzek sieht bei christlichen Influencern fragwürdige „theologische Expertise“
Der Priester und Dogmatiker Oliver Wintzek schätzt die „theologische Expertise“ von christlichen Influencern in sozialen Netzwerken als „in aller Regel höchst fragwürdig“ ein. Wintzek, der an der Katholischen Hochschule in Mainz lehrt, äußerte sich am Dienstag in einem Meinungsbeitrag für katholisch.de.
Der Dogmatiker kritisierte eine „hermeneutikfreie Bibelusurpation“ sowie eine „entkontextualisierte Traditionsmisshandlung“: „Wo individuelle Glaubensüberzeugtheit und private Meinungen eine fundierte Sachkompetenz aufwiegen wollen, nimmt es nicht Wunder, dass ein Bashing gegen die akademische Theologie im Namen einer schrägen Jesus-Unmittelbarkeit oder verketzernder Pseudorecht(s)gläubigkeit der Standard ist.“
„Gefährlich unterkomplexe, weil kurze Posts auf den verschiedensten Kanälen von Social Media stellen eine verführerische Ideologie dar, die ohne theologisches Orientierungswissen für bare Münze gehalten wird“, führte er aus.
Tatsächlich sind die Aktivitäten von Katholiken und anderen Christen in den sozialen Netzwerken gewöhnlich private Initiativen ohne kirchlichen Auftrag. Nichtsdestotrotz kennt auch die Kirche eine kompakte und kurze Verkündigung der grundlegenden Glaubenswahrheiten durch eine Katechese im Frage-Antwort-Stil, wie er zuletzt auch im Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche Verwendung fand, das von Papst Benedikt XVI. veröffentlicht wurde.
Wintzek betonte derweil: „Ein aufklärendes Dagegenhalten gleicht einem Kampf gegen Windmühlen, differenzierte Informiertheit kann gegen harte Eindeutigkeiten keinen Stich machen – schon gar nicht in TikTok-Kürze. Die schiere Masse der Beiträge lässt zudem befürchten, dass auch KI-generierte Auskünfte über das Katholische eine fragwürdige Richtung aufweisen werden – KI ist nur so intelligent wie die Inhalte, mit denen sie gefüttert wird.“
„Die Gefahr einer solchen digital gespreadeten selbst verschuldeten Unmündigkeit ist real und führt in bedenkliche Abhängigkeiten, wo eine Kritikkompetenz ausfällt oder bewusst außen vor bleiben soll“, warnte der Dogmatiker. „Die unkontrollierte Verschiebung der Deutungshoheit ist zwar benannt – ob und wie sie gebannt werden kann, ist eine offene Frage.“
