Paderborner Generalvikar Dornseifer stellt Frage nach „Kirche unter neuen Bedingungen“
Prälat Thomas Dornseifer, einer von zwei Generalvikaren im Erzbistum Paderborn, hat die Frage gestellt, „wie Kirche unter neuen Bedingungen nahe bleibt“. In einem Beitrag auf der Internetseite der Erzdiözese schrieb er am Dienstag: „Wir werden nicht überall räumlich präsent sein können wie bisher. Aber wir können personale Nähe stärken. Und wir können Menschen neu erreichen. Das ist keine Verkleinerung der Kirche, sondern eine Einladung, das Evangelium mit neuer Klarheit zu leben.“
„Die Räume, die bleiben, sollen […] intensiver und vielfältiger genutzt und für die Realität geöffnet werden“, betonte der Generalvikar. „Dabei stellen sich wichtige Fragen: Welche Gebäude stärken die kirchliche Präsenz? Welche Räume sind so identitätsstiftend, dass sie die Orte prägen? Wie gelingt eine vielfältige Nutzung, ohne das Sakrale zu verlieren?“
„Ein Beispiel zeigt, wie die Zukunft aussehen kann“, führte er aus. „Ein über hundert Jahre alter Kirchenraum wird behutsam verkleinert. Der liturgische Raum bleibt erhalten, während rundherum flexible Räume für Begegnung, Bildung, Beratung und Begleitung entstehen. Bestehendes wird kleiner und macht so Neues möglich.“
Grundsätzlich gelte: „Ein Gebäude ist erhaltenswert, wenn es pastoral benötigt wird. Schützenswert ist ein Gebäude hingegen, wenn es ein sichtbares Zeichen christlicher Kultur und kirchlichen Lebens ist.“
Dornseifer betonte, ein Kirchengebäude müsse nicht zwangsläufig geschlossen oder abgerissen werden, wenn keine liturgische Nutzung mehr möglich sei. Viele Gebäude könnten stattdessen „eine neue Bestimmung finden, wenn stabile und zukunftsfähige Trägerschaften entstehen, die nicht oder wenigstens nicht unbedingt von den bisherigen Finanzmitteln abhängig sind“.
Aber auch „bei alternativen, neuen Trägern soll die geistliche Grundprägung und Strahlkraft der Räume spürbar bleiben. So können die Gebäude auch bei neuen Nutzungen christlich geprägt bleiben und in die Gesellschaft einwirken.“
Schließlich appellierte Dornseifer an die Gläubigen: „Haben wir gemeinsam den Mut, Neues zuzulassen. Nicht, weil das Alte wertlos wäre, sondern weil Zukunft entsteht, wenn wir ihr Raum geben. Denken wir großzügig und über bisherige Grundrisse hinaus. Kirche wächst dort, wo Menschen miteinander glauben, hoffen und handeln.“
Wie die Kirche in Deutschland insgesamt, so schrumpft auch das Erzbistum Paderborn massiv. Derzeit leben im Erzbistum rund 1,25 Millionen Katholiken, von denen jedoch nur 67.000 ihren Glauben auch praktizieren, indem sie sonntags regelmäßig zur Messe gehen. Das entspricht einer Quote von 5,4 Prozent. Die Zahl der Pfarreien liegt noch bei 597.
Im Jahr 2001, also vor einem Vierteljahrhundert, gab es im Erzbistum Paderborn 775 Pfarreien mit etwa 1,77 Millionen Katholiken. Damals gingen noch 16,5 Prozent der Katholiken zur Messe, also über 290.000 Menschen.
