Deutschland gilt laut Bischof Voderholzer in Weltkirche als „Problematisierer“

Deutschland gilt laut Bischof Voderholzer in Weltkirche als „Problematisierer“

Beim Katholikentag in Würzburg hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer beklagt, dass die deutsche Kirche von der Weltkirche zunehmend als „Problematisierer“ wahrgenommen werde. Außerdem kritisierte er, dass die Veranstaltungsvorschläge der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) von den Organisatoren für das offizielle Programm abgelehnt wurden.

„Das ist etwas, was man allgemein auch hört, dass wir in Deutschland als die Problematisierer und die, die alles in Frage stellen, wahrgenommen werden“, sagte der Regensburger Bischof im K-TV-Interview.

Voderholzer berichtete von einem Besuch in Madagaskar, wo er „eine arme Kirche, aber eine glaubensfrohe Kirche“ erlebt habe. In England, Frankreich, und den USA entstehe bei jungen Menschen eine neue Sehnsucht nach „einem authentischen Glauben, nach unverkürztem Glauben“. In Frankreich habe man bereits eine Synode einberufen, weil viele Pfarreien mit dem Zulauf taufwilliger junger Erwachsener überfordert seien. „Ich sehe das auch bei uns kommen, und darauf müssen wir uns vorbereiten“, sagte Voderholzer.

Einer Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2025 zufolge glauben in Deutschland nur noch 28 Prozent der Bevölkerung, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist. Voderholzer nannte das eine „Begleiterscheinung der Säkularisierung“. Es müsse das „erste und wichtigste Thema“ sein, mit welcher Überzeugungskraft die Kirche das Christusbekenntnis wieder in den Mittelpunkt ihrer Verkündigung stelle.

Beim Katholikentag nahm Voderholzer auch an einer Podiumsdiskussion von ALfA und dem Verband katholischer deutscher Lehrerinnen (VkdL) teil. Neben ihm auf dem Podium saßen die ALfA-Bundesvorsitzende Cornelia Kaminski, VkdL-Vertreterin Theresa Fehlner sowie Stefan Rehder, der Bioethik-Korrespondent der Tagespost. „Schade, dass es nicht ins offizielle Programm aufgenommen wurde“, sagte Voderholzer zu den abgelehnten Veranstaltungsvorschlägen der Organisation.

Dass Lebensrechtler immerhin mit einem Stand präsent gewesen seien, sei „wohl das Mindeste, was man erwarten kann“, sagte er. Ausdrücklich dankte Voderholzer den Lebensrechtsorganisationen. Sie verliehen denjenigen „eine Stimme, die keine haben“.

Innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) herrsche beim Thema Lebensschutz weitgehende Einigkeit, betonte Voderholzer: „Wenn wir uns überall so einig wären wie da, dann wäre es gut.“ Diese Einigkeit gelte sowohl für den Schutz ungeborenen Lebens als auch für die Debatte um assistierten Suizid.

Kaminski berichtete, auf dem Katholikentag selbst Ablehnung erfahren zu haben. An einem Stand sei ihr auf den Hinweis zur Podiumsdiskussion geantwortet worden, es sei „gut, dass ihr da nicht drin seid“. Kaminski warb dennoch dafür, das Gespräch zu suchen statt Differenzen zu vertiefen.

Nach kirchlicher Lehre steht menschliches Leben von der Empfängnis an unter dem besonderen Schutz Gottes. Papst Johannes Paul II. erklärte in Evangelium vitae (1995): „Mit der Petrus und seinen Nachfolgern von Christus verliehenen Autorität bestätige ich daher in Gemeinschaft mit den Bischöfen der katholischen Kirche, daß die direkte und freiwillige Tötung eines unschuldigen Menschen immer ein schweres sittliches Vergehen ist.“

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