Bischof Ipolt fordert: Kirche muss für Lebensschutz eintreten
Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt hat den Schutz des menschlichen Lebens als unverzichtbares Merkmal katholischer Identität bezeichnet. Im Gespräch mit dem Fernsehsender K-TV rief er Christen in Deutschland auf, auch unpopuläre Standpunkte mutig zu vertreten.
„Es steht uns nicht zu, dort einzugreifen […], wir dürfen es einem anderen nicht nehmen, egal ob er schon geboren ist oder auf dem Sterbebett liegt“, sagte Ipolt in dem Interview. „Das gehört zu unserem Glauben. Gott ist der Schöpfer und wir haben das Leben empfangen.“
Menschliches Leben steht nach kirchlicher Lehre von der Empfängnis an unter dem besonderen Schutz Gottes. Papst Johannes Paul II. bekräftigte in Evangelium vitae (1995) mit päpstlicher Lehrautorität, dass die direkte und freiwillige Tötung eines unschuldigen Menschen, darunter Abtreibung und aktive Sterbehilfe, immer ein schweres sittliches Vergehen ist.
Ipolt äußerte sich im Kontext des Katholikentags in Würzburg, dessen Motto „Hab Mut, steh auf“ lautete. Sein eigenes Mutwort an eine kleiner werdende Kirche war: „Fürchtet euch nicht. […] duckt euch nicht ab.“ Christen müssten ihr Profil zeigen: „Die Kirche muss ihr wirkliches Profil behalten und manchmal wiedergewinnen.“
Auf die Grundfrage, wozu die Kirche da sei, antwortete Ipolt: „Die Kirche ist vor allen Dingen dazu da, dass sie an Gott erinnert.“ Alles kirchliche Handeln müsse zur „Wirklichkeit Gottes“ führen.
Das Bistum Görlitz ist das kleinste der 27 deutschen Bistümer. Rund 30.000 Katholiken, etwa drei bis vier Prozent der Bevölkerung, leben dort. Ipolt selbst wuchs in der damaligen DDR auf. Als Schüler habe er gelernt, „manchmal nein zu sagen, wo alle ja sagen“. Ipolt sah die Minderheitssituation dabei nicht als Schwäche: „Kleine Gruppen haben eine Aufgabe.“
Vor inzwischen fast zehn Jahren besiedelte Ipolt das historische Kloster Neuzelle neu. Zisterzienser aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz errichteten 2018 ein Priorat in dem rund 750 Jahre alten Kloster, das 1817 aufgelöst worden war. „Damit Gott vorkommt, deswegen braucht diese Region das“, begründete er die Initiative.
