Lebensschutz ist „ein zivilisatorisches Ziel“: Papst Leo besucht spanisches Parlament

Lebensschutz ist „ein zivilisatorisches Ziel“: Papst Leo besucht spanisches Parlament

In einer sehr langen Ansprache hat sich Papst Leo XIV. am Montagvormittag an die Abgeordneten im spanischen Parlament wie auch an andere Staatsbedienstete gewandt. Dabei charakterisierte er den Lebensschutz als „ein zivilisatorisches Ziel“.

Gleich zu Beginn stellte Leo klar, die Kirche respektiere, wenn sie sich „an das öffentliche Leben wendet“, „die Eigenständigkeit der Institutionen und die rechtmäßige Verantwortung derer, die den Auftrag zur Gesetzgebung erhalten haben“.

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Als Grundfrage für „jede gesetzgeberische Tätigkeit“ stellte der Pontifex in den Raum: „Welches Menschenbild steht hinter den Gesetzen, und welche Art von Gesellschaft entsteht durch diese Gesetze?“ In diesem Kontext blickte er ausführlich in die spanische Geschichte zurück, etwa auf die berühmte Schule von Salamanca.

„Von Spanien aus trugen die Überlegungen der Schule von Salamanca – und insbesondere die von Pater Francisco de Vitoria und anderen Dominikanern und Jesuiten – dazu bei, ein rechtliches und moralisches Bewusstsein zu formen, das daran erinnert, dass Autorität stets mit Verantwortung einhergeht und dass jeder Mensch als Träger von Rechten und Pflichten anerkannt werden muss“, sagte Leo. „Dieses Anliegen ist auch heute noch aktuell: dass Würde, Gerechtigkeit und das Gemeinwohl der Maßstab der sozialen Beziehungen sein sollen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.“

„Dies ist eines der großen Vermächtnisse Spaniens: das historische Handeln mit der Klarheit der ethischen Vernunft verbunden zu haben“, unterstrich der Papst. Heute seien die „neuen Welten“ indes „im Bereich der Technik, der Wirtschaft, der Biomedizin und im digitalen Universum“ zu finden, „wo die Macht des Menschen immer sensiblere Bereiche des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens betrifft“.

Die Würde des Menschen „geht jeder Zuerkennung vonseiten des Staates voraus und darf nicht wechselhaften gesellschaftlichen Konsensen oder den momentanen Mehrheitsmeinungen untergeordnet werden“, führte Leo aus. „Sie steht jedem Menschen allein aufgrund seiner Existenz zu und muss daher jede positive Rechtsordnung prägen.“

Vor diesem Hintergrund fragte er: „Welche Zukunft haben unsere Gesellschaften, wenn das Leben nicht mehr als grundlegender Wert anerkannt wird? Kann eine Gemeinschaft, die das ungeborene Kind, den alten Menschen, den Kranken, den still Leidenden oder denjenigen, der ganz auf die Fürsorge anderer angewiesen ist, ausblendet, als wirklich gerecht bezeichnet werden? Die Verteidigung des menschlichen Lebens ist weder eine Partei- noch eine konfessionelle Angelegenheit: Sie ist ein zivilisatorisches Ziel.“

„Jedes menschliche Leben muss von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Lebensende, unter allen Umständen seiner Existenz, anerkannt und geschützt werden“, forderte Papst Leo.

Mit Blick auf die Rolle der Familie fügte er hinzu: „Wo die Familie unterstützt wird, wird auch die geistige und soziale Stabilität der Nationen gestärkt. Die Familie wird immer die erste Schule der Menschlichkeit sein, in der man früher als an jedem anderen Ort die grundlegenden Regeln des Zusammenlebens erlernt: das Leben anzunehmen, für den anderen da zu sein, zu vergeben, zu dienen und dazuzugehören.“

„Die Situation von Migranten und Flüchtlingen erfordert eine Antwort, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, die die Ursachen ihres Weggangs angeht und über die bloße Steuerung der Migrationsströme hinausgeht“, fuhr der Pontifex fort. „Daraus ergibt sich ein doppeltes Erfordernis sozialer Gerechtigkeit: sichere und legale Wege, würdige Aufnahmebedingungen und echte Integrationsmöglichkeiten zu bieten; und gleichzeitig das Recht zum Verbleib im eigenen Land zu fördern, indem darauf hingearbeitet wird, dass niemand sein Zuhause aufgrund von Mangel an Frieden und Sicherheit oder aufgrund von menschenunwürdigen Lebensbedingungen verlassen muss, zu denen auch wirtschaftliche Ungerechtigkeiten und die Auswirkungen der Klimakrise gehören.“

Zur Friedensarbeit sagte Leo: „Auf internationaler Ebene erfordert Frieden diplomatischen Mut, ethische Verantwortung und eine Zukunftsvision, die auf der Achtung der Identität jedes Volkes und der Verpflichtung der Staaten beruht, ihre Streitigkeiten auf den friedlichen Wegen zu lösen, die das Völkerrecht bietet. […] Waffen mögen vorübergehend für Ruhe sorgen, doch sie werden niemals einen echten und dauerhaften Frieden schaffen können.“

Der politische Diskurs im Allgemeinen dürfe nie „in eine permanente Abwertung des Gegners ausarten“. Vielmehr könne „sogar ein Konflikt zu einem Weg zum Frieden werden, wenn sich die Differenzen durch Zuhören verringern lassen und auf die Anerkennung der Bedürfnisse, Bestrebungen und Fähigkeiten aller ausrichten“.

Die „Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit“ sei „ein Grundrecht, das den intimsten Bereich des Menschen schützt“, betonte der Papst. „Die Freiheit, auf der der moderne Staat aufgebaut ist, erkennt, sofern sie authentisch ist, die religiöse Dimension des Menschen an, achtet sie und schützt sie rechtlich; und sie verhindert, dass jemand aufgrund seines Glaubens darauf verzichten muss, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, in der er lebt.“

Freiheit bedeute dabei „nicht nur, frei von Zwängen zu sein oder über viele Wahlmöglichkeiten zu verfügen“, sondern auch, „das Gute erkennen und sich verantwortungsbewusst dafür entscheiden zu können“: „Der Glaube beansprucht nicht, sich durch Privilegien oder Zwang durchzusetzen; er darf jedoch auch nicht zum Schweigen gebracht werden, so als sei er für das öffentliche Leben irrelevant.“ Ausdrücklich erwähnte Leo die Notwendigkeit, das Beichtgeheimnis zu schützen.

Zuletzt ermahnte Papst Leo die Politiker und Staatsbediensteten: „Ein Gesetz erreicht seine wahre Bedeutung nicht allein dadurch, dass es formell verabschiedet wurde; es erreicht sie erst dann, wenn es nicht nur formal gültig ist, sondern auch vor der Würde des Menschen bestehen kann und aus dieser Prüfung ohne Beschämung wieder herauskommt.“

EWTN überträgt alle öffentlichen Programmpunkte der Spanien-Reise von Papst Leo XIV. live im Fernsehen sowie online im Stream. Die Programmpunkte mit genauen Uhrzeiten sowie die entsprechenden Links für den Stream finden Sie HIER.

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