Kardinal Cobo: Glaubensweitergabe durch Familie und Schule in Spanien gescheitert
Kardinal José Cobo Cano, der Erzbischof von Madrid, hat im Gespräch mit der amerikanischen Jesuitenzeitschrift America eingeräumt, dass die Glaubensweitergabe durch Familie und Schule in Spanien versagt hat. Er sprach offen über die Herausforderungen und Stärken der spanischen Kirche.
„Wir haben angenommen, dass der Glaube durch die Familie, durch die Bildung weitergegeben wird, und das geschieht nicht mehr“, sagte der 60-jährige Kardinal in dem Interview vom vergangenen Freitag.
„Ich denke, eine weitere Schwierigkeit ist der Dialog: wie tritt die Kirche mit unserer Welt in Kontakt. Unsere Sprache lässt uns im Stich, oder wir haben noch nicht die Fähigkeit, unsere Sprache zu verändern und in der Sprache unserer Welt präsent zu sein“, erklärte Cobo weiter. Als weiteren Punkt ergänzte er: „Wir müssen unsere Gemeinden stärken.“
Daneben beschrieb Cobo die Stärken der spanischen Kirche. „Ich glaube, die Kirche in Spanien hat eine Stärke in der Wiederbelebung der Suche nach Transzendenz. […] Eine weitere Stärke ist die Präsenz der Kirche durch die Gemeinden und die Volksfrömmigkeit; sie ist tief in Gesellschaft und Kultur verwurzelt“, sagte er.
Im Gespräch mit Vatican News am Dienstag sagte Cobo außerdem: „Ich glaube ganz klar, dass ein Erwachen im Gange ist. Aber dieses Erwachen muss geleitet werden. Einige Berichte zeigen uns, dass die Menschen ein Verlangen nach Transzendenz haben. Gleichzeitig müssen wir ihnen auch ein Erwachen zum Wesen Jesu Christi, zum Evangelium und zur Tradition der Kirche bieten und ihnen helfen, sich nicht davon zu entfernen.“
Vom 6. bis 12. Juni besucht Papst Leo XIV. Spanien. Neben Madrid und Barcelona steht auch eine Station auf den Kanarischen Inseln auf dem Programm. Cobo begleitete den Papst als Gastgeber bei allen Veranstaltungen in Madrid, zu denen an manchen Orten hunderttausende Menschen kamen. Für die Vorbereitung koordinierte er ein Kernteam aus 300 Personen sowie rund 18.000 Freiwilligen.
