Ein Jubiläum, das an das wichtigste Ereignis nach Jahrhunderten der Verfolgung erinnert – das erste Ökumenische Konzil von Nizäa im Jahr 325, also vor 1.700 Jahren. Die Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) lud deshalb zu einer Fachtagung mit hochkarätigen Referenten ein. Denn die durch Irrlehren herbeigeführten theologische Klärungen von damals sind bis heute von hervorragender Bedeutung.
Dabei geht es nicht nur um die entscheidenden Verwandtschaften und Unterschiede zu den anderen Weltreligionen, besonders zum Judentum und Islam, sondern auch um die Frage: Gibt es unter uns mehr unbewusste Arianer als vielleicht gedacht?
Dieter Böhler SJ, der Lehrstuhlinhaber für Exegese des Alten Testaments an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt, überraschte die Zuhörer mit einer scheinbar einfachen Frage: „Wenn ich sage ‚Jesus ist Gott‘ – ist das korrekt?“ Die Antwort „Ja“ sei nicht falsch, aber auch nicht präzise. Denn wenn neben dem Vater auch der Sohn Gott ist – gibt es dann zwei Götter nebeneinander? Ein Vorwurf, der dem Christentum immer wieder gemacht und dessen Monotheismus deshalb bestritten wird.
Böhler gelang es, die aus Theologiestudenten, Seminaristen, Theologen und zahlreichen Engagierten aus Pfarrgemeinden vielfältig zusammengesetzte Zuhörerschaft von 140 Teilnehmern an das Thema heranzuführen und zu begeistern: „Der Vater ist Gott. Punkt. Jesus ist Gott von Gott, das ist der Vater nicht. Der ist einfachhin Gott. Der Sohn ist Gott von Gott, von demselben ein anderer, aber kein zweiter daneben.“
Hatte der Evangelist Johannes im Prolog seines Evangeliums bereits die Irrlehre des Arius widerlegt? Jedenfalls sind seine heute etwas rätselhaft klingenden Formulierungen in dieser Hinsicht sehr präzise: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott.“
Verblüffend auch die Anspielung des Evangelisten auf die ersten Sätze des Alten Testaments, auf die Böhler hinwies: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde … und Gott sprach … und Gott sprach … und Gott sprach.“ Zehnmal heißt es „und Gott sprach“. Der Evangelist Johannes und der Apostel Paulus schilderten bereits die Existenz Jesu vor seiner Fleischwerdung. Arius hätte diese Tatsache nicht bestreiten dürfen, aber seine Provokationen haben zu wichtigen Präzisierungen und Klärungen durch das Konzil geführt: „Der präexistente Christus (Logos) war immer bei Gott, Gott gleich und doch auch Gott gegenüber.“
Dann lüftete der Alttestamentler einen Schleier und verdeutlichte eine Kontinuität von Altem und Neuen Bund. Es geht um die Methode, wie sich der unfassbare Gott den Menschen mitteilt und dennoch seine Transzendenz bei innerweltlichen Erscheinungen bewahrt. Das Alte Testament nutze dazu zwar unterschiedliche Begriffe, drücke dabei aber Ähnliches aus. Beim Erscheinen Gottes in der Welt ist dort von „Wort“, „Wohnung“ und der „Herrlichkeit“ (Gottes) die Rede. An vielen Stellen wird auch ein Engel erwähnt, zum Beispiel beim Bericht über die Erscheinung Gottes bei Mose im brennenden Dornbusch. Böhler sagte: „Der Engel des Herrn erscheint im Dornbusch, aber dann sieht und ruft der Herr selbst aus dem Dornbusch. Der Engel des Herrn ist die Erscheinung Gottes selbst.“ – Zumindest in dieser Situation, denn in späten Büchern wie Daniel und Tobit seien Engel dann Geistwesen.
Es gebe eine weitere Ausdrucksweise zu Gottes Erscheinen in der Welt, die „deuteronomische Namenstheologie“. Der Eigenname Gottes sei dann die Person Gottes selbst. „Diese Benennungen drücken wahre Anwesenheit Gottes auf Erden aus, aber so, dass sein transzendentes Wesen sich darin nicht erschöpft, sondern größer bleibt als die Erscheinung“, berichtete Böhler. Der Name, der Engel, das Wort, die Herrlichkeit – sie alle seien Ausdrücke für den Mittler zwischen Gott und Schöpfung. Der Evangelist Johannes greift diese Kontinuität auf und bezieht sie auf Jesus.
Böhlers Vortrag bildete den Auftakt bei einer ganztägigen Veranstaltung in Köln, an der sich insgesamt sechs Hochschul-Theologen mit vier Hauptreferaten und einem Podiumsgespräch beteiligten. CNA Deutsch setzt die Berichterstattung darüber fort. Die KHKT plant, die Vorträge zum Nizäa-Jubiläum demnächst als Buch zu veröffentlichen.
