Abt Nikodemus Schnabel beklagt „Primitivverständnis von Religionsfreiheit“ in Deutschland

Abt Nikodemus Schnabel beklagt „Primitivverständnis von Religionsfreiheit“ in Deutschland

Abt Nikodemus Schnabel OSB hat erklärt, die Religionsfreiheit werde „gerade in Deutschland“ nur „als eine Art sekundäres Menschenrecht angesehen“. Der Obere der berühmten Dormitio-Abtei im Herzen von Jerusalem sprach am Mittwoch mit dem Kölner Domradio.

„In Deutschland haben wir eher diese Haltung: ‚Glaub, was du willst, aber lass mich in Ruhe.‘ Glaube soll nicht in der Öffentlichkeit sein, Glaube soll nicht nerven, Glaube soll nicht sichtbar sein. Viele befürworten ja auch ein Kopftuchverbot, ein Verbot von Kreuzen, ein Verbot von religiösen Symbolen“, sagte er. „Das finde ich schon heftig, denn vieles andere akzeptieren wir.“

„Da muss ich wirklich sagen, da liegt in Deutschland ganz viel im Argen“, betonte Abt Nikodemus. „Es gibt ein Primitivverständnis von Religionsfreiheit. Die negative Religionsfreiheit ist wichtig. Aber es gehört auch die positive Religionsfreiheit dazu. Da habe ich das Gefühl, dass es ganz viele Hausaufgaben zu machen gilt, um dafür zu sensibilisieren.“

Angesichts der gegenwärtigen Lage im Heiligen Land betonte er, „es wäre zynisch zu sagen, das jetzt Frieden ist“. Nach zwei Kriegsjahren ist seit Oktober eine Waffenrufe in Kraft: „Jetzt haben wir einfach ein Schweigen der Waffen. Das ist erst einmal ein Aufatmen.“

Für die christliche Minderheit im Heiligen Land habe sich die Lage derweil „zugespitzt“, betonte der Benediktiner. „Der Punkt ist die zunehmende Siedlergewalt. So sehr Gaza sich vielleicht in eine friedlichere Richtung entwickelt, umso mehr Sorgen haben wir um die Westbank. Da steht besonders das einzige vollständige christliche palästinensische Dorf Taybeh im Fokus, was früher eigentlich vor allem wegen der ältesten palästinensischen Brauerei bekannt war.“

„Mittlerweile ist es bekannt wegen der täglichen gewaltsamen Siedlerattacken auf die Olivenbäume und auf die Häuser“, fuhr Abt Nikodemus fort. „In Israel und Palästina gibt es jeweils etwa nur 1,8 Prozent Christen unter der Gesamtbevölkerung, das muss man noch einmal klarmachen. Anders formuliert, die neuen Bundesländer mit ihren 20 Prozent Christen sind für uns volkskirchliche Phänomene, davon träumen wir.“

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