Mit Luisa Campbell steht erstmals eine Frau an der Spitze der schottischen Bischofskonferenz – ein weiterer Schritt in einem internationalen Trend, der kirchliche Führungsämter für Nichtkleriker öffnet.
Bischof John Keenan von Paisley, der Präsident der schottischen Bischofskonferenz, erklärte: „Luisa bringt einen reichen Erfahrungsschatz mit, sowohl als engagierte Laiin in der Kirche, die unseren Pfarreien und Diözesen über Jahre hinweg treu gedient hat, als auch durch ihre umfassende Erfahrung in der Welt, in der sie einen fruchtbaren Beitrag geleistet hat.“
Campbell selbst sagte zu ihrer Ernennung: „Ich freue mich darauf, den Bischöfen von Schottland in meiner neuen Rolle als Generalsekretärin zu dienen und dabei meine Erfahrung in der Kirche und in der Geschäftswelt zusammenzubringen.“
Mit dieser Entscheidung reiht sich Schottland in eine wachsende Zahl von Bischofskonferenzen ein, die Frauen oder männliche Laien mit dieser Schlüsselposition betrauen. Das Amt des Generalsekretärs, das zwischen den Vollversammlungen die Arbeit der Konferenz koordiniert, die Tagesordnung erstellt und die Kommunikation mit dem Vatikan pflegt, erfordert kirchenrechtlich keine Priesterweihe.
Bereits 2009 war die Nordische Bischofskonferenz (Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden) weltweit die erste, die eine Frau zur Generalsekretärin berief. Schwester Anna Mirijam Kaschner CPS, eine deutsche Missionsschwester vom Kostbaren Blut, wurde seither mehrfach im Amt bestätigt – zuletzt 2024 einstimmig für weitere vier Jahre.
Gegenüber dem Domradio betonte sie damals, sie verstehe sich nicht als „Dienstmagd, die für die Männer da ist“, sondern als jemanden, „der auf Augenhöhe mit den Bischöfen gemeinsam über die anstehenden Probleme und Herausforderungen diskutieren kann“.
Im Februar 2021 wählte auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) eine Frau zur Generalsekretärin. Die Theologin Beate Gilles ist sowohl die erste Frau als auch die erste Laiin in dieser Position. Der DBK-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, bezeichnete die Wahl als „starkes Zeichen, dass die Bischöfe ihrer Zusage nachkommen, Frauen in Führungspositionen zu fördern“.
Bereits in den 1980er Jahren übernahm in Südafrika de facto eine Ordensfrau die Leitung des Generalsekretariats: Als der eigentliche Generalsekretär wegen seines Widerstands gegen das Apartheidsregime inhaftiert wurde, führte Schwester Brigid Flanagan die Geschäfte. 2012 wurde dort erstmals offiziell eine Ordensfrau gewählt. Schwester Hermenegild Makoro CPS war drei Amtszeiten lang in dieser Position. Nach ihrem Ausscheiden im Jahr 2020 folgte ihr die Dominikanerin Tshifhiwa Munzhedzi.
Auch andere Bischofskonferenzen setzen auf Frauen oder Laien in Leitungsfunktionen: In den Niederlanden leitet Susan Daalmans seit 2014 die Verwaltung der Bischofskonferenz, in Frankreich ist Christine Naline seit 2018 stellvertretende Generalsekretärin. Die Schweizer Bischofskonferenz ging bereits 2011 einen ähnlichen Weg und berief den Laien Erwin Tanner zum Generalsekretär.
