Nach acht Jahren unter kanonischer Intervention starten die in Brasilien gegründeten „Herolde des Evangeliums“ nun eine Gegenoffensive: Sie veröffentlichen ein Buch über die Zeit der vatikanischen Intervention und erheben dabei schwere Vorwürfe gegen das zuständige Dikasterium.
Dieses habe Papst Leo XIV. „falsche Informationen“ übermittelt, „Unwahrheiten und verzerrte Tatsachen“ weiterverbreitet und somit einen internationalen „medialen Lynchmord“ mitausgelöst.
Ausgelöst wurde der Konflikt durch eine Apostolische Visitation, die von Juni 2017 bis 2019 andauerte. Im Herbst 2019 stellte der Vatikan die Vereinigung unter einen päpstlichen Kommissar.
Das Eingreifen wurde demnach mit Mängeln in den Bereichen Leitung, Verwaltung, Ausbildung und Seelsorge sowie mit Vorwürfen zu Disziplinarpraktiken, finanziellen Unregelmäßigkeiten und Beschwerden von Eltern über die zunehmende Isolation ihrer Kinder begründet.
Die Lage verschärfte sich im Juni 2021 weiter, als ein Dekret die Schließung von Internaten in Brasilien anordnete. Minderjährige sollten bis zum Ende des Schuljahres in die Obhut ihrer Familien zurückkehren. Als Begründung wurden „psychologische und sexuelle Gewalt“ sowie „übermäßig strenge Disziplin“ genannt.
Diese Vorwürfe bestritten die Herolde und verwiesen ihrerseits auf rechtliche Irregularitäten sowie eine vergiftete Medienlage.
Nun hat die Vereinigung ein ganzes Buch über die Visitation veröffentlicht. Darin stellt sie nicht sich, sondern das Verfahren selbst in Frage. Es solle zeigen, dass es von „Ungerechtigkeiten“ und „Machtmissbräuchen“ geprägt gewesen sei.
Die Herolde sprachen von einer „übermäßige[n] und unerklärliche[n] Verlängerung der Intervention“, die Fragen aufwerfe und einer Klärung bedürfe, „um Wahrheit und Gerechtigkeit wiederherzustellen“.
Gleichzeitig hatten die Herolde mit konkreten negativen Folgen zu kämpfen: „Zahlreiche Diakone konnten ihre legitime, durch das Kirchenrecht gestützte Erwartung, zum Priester geweiht zu werden, nicht erfüllen, sieben Jahrgänge von Seminaristen konnten nicht in das Diakonat eintreten, viele andere Mitglieder, die daran gehindert wurden, ihre Gelübde abzulegen, Aspiranten, deren Zulassung abgelehnt wurde, und junge Menschen, denen ein Bildungsprojekt vorenthalten wurde …“
Bei einer Audienz, die Papst Leo XIV. Bischof Sérgio Aparecido Colombo gewährt haben soll, sollen die Herolde erfahren haben, dass das Dikasterium dem Papst „falsche Informationen“ übermittelt habe, beispielsweise, dass es Opfer von Missbrauch gegeben habe, nicht alle Gerichtsverfahren abgeschlossen seien oder Auflagen zur Unterbringung und Ausbildung von Minderjährigen missachtet worden seien.
Die Herolde schrieben, dies seien „in allen Fällen Aussagen, deren völlige Unbegründetheit das Buch nachweisen konnte“.
Auch nach der Audienz hätte das Dikasterium weiter „Unwahrheiten und verzerrte Tatsachen“ verbreitet – unter anderem, „dass sehr schwerwiegende Verfahren gegen die Institution anhängig sind“, was „überhaupt nicht der Realität entspricht.“
Das Dikasterium habe zudem Informationen veröffentlicht, die „in zahlreichen Ländern […] zu einem medialen Lynchmord“ geführt hätten – „vor allem durch die Weitergabe von Dokumenten und Informationen, die schnell an die Presse gelangten, während sie den Herolden […] vorenthalten wurden.“
