Kardinal Radcliffe: Transgenderismus verkennt Biologie, Frauen sollten Diakone werden

Kardinal Radcliffe: Transgenderismus verkennt Biologie, Frauen sollten Diakone werden

Niemand könne Freiheit als bloße Selbstbehauptung gegen die Wirklichkeit verstehen, sagte Kardinal Timothy Radcliffe OP mit Blick auf Transgender-Debatten. Der moderne Freiheitsbegriff, nach dem Identität reine Entscheidung sei, verkenne die Grundgegebenheit der Biologie und führe in eine Illusion.

Radcliffe, ein enger Weggefährte des verstorbenen Papstes Franziskus, hat sich in einem Interview mit dem „Telegraph“ ungewöhnlich klar zu Fragen von Geschlecht, Freiheit und Identität geäußert und dabei den gängigen Selbstbestimmungsnarrativen widersprochen.

Der Kardinal eröffnete zudem kürzlich das außerordentliche Konsistorium im Vatikan am 7. Januar mit einer „Meditation“ für die 245 versammelten Kardinäle. Sein geistlicher Impuls diente als Einstimmung auf diese Tage der Beratung und Begegnung.

„Persönlich“, sagte Radcliffe über Menschen, die sich als transgender identifizieren, „gibt es nur sehr wenige Menschen, die unter Geschlechtsdysphorie leiden. Man muss sie willkommen heißen.“ Zugleich zog er eine scharfe Grenze gegenüber einem Verständnis von Identität als bloßem Willensakt.

Er betonte: „Ich glaube nicht, dass jemand einfach sagen kann: ‚Ich habe das Recht zu sagen, dass ich eine Frau bin‘, denn unsere Biologie ist grundlegend.“ Radcliffe differenzierte dabei zwischen Begleitung von Menschen und einer abstrakten Ideologie der Selbstdefinition.

„Wenn Menschen wirklich eine Ambiguität in ihrer Geschlechtsidentität haben, begleite sie [auf ihrem Weg] – aber du entdeckst, wer du bist, im Abenteuer des Lebens“, erklärte Radcliffe.

Identität entstehe nicht aus einem Entschluss: „Man steht nicht auf und sagt: ‚Ich habe beschlossen, dass ich das sein werde.‘ Das ist eine falsche, illusorische Vorstellung von Freiheit.“

Radcliffe schilderte auch seine Teilnahme am Konklave nach dem Tod von Papst Franziskus und widersprach der Vorstellung eines von Intrigen geprägten Machtkampfes. „Man spürte keine großen politischen Manöver – wir waren fernab von sozialen Medien, ohne Nachrichten“, berichtete er.

Statt Rivalität habe eine gemeinschaftliche Atmosphäre geherrscht: „Wir sahen uns nicht als Feinde und Rivalen. Wir scherzten, wir lachten, es war eine sehr entspannte Atmosphäre – brüderlich.“

Papst Leo XIV. sei gewählt worden, um Gegensätze zu überbrücken. „Wir haben Leo gewählt, weil er beides konnte – er konnte die Dinge vorantreiben und gleichzeitig Menschen zusammenbringen“, so der Kardinal.

Mit Blick auf die Frage der Frauenordination warnte Radcliffe vor westlicher Selbstüberhebung. „Es wäre arrogant vom Westen zu behaupten, dass unsere Vorstellungen von Fortschritt die einzig richtigen sind“, betonte Radcliffe.

Zugleich widersprach er der These, Frauen hätten in der Kirche keine Bedeutung: „Zum ersten Mal in der Geschichte leiten Frauen zwei Abteilungen im Vatikan.“ Die Fixierung auf Weiheämter hält er für verkürzt. „Es ist eine sehr klerikale Sichtweise zu glauben, dass nur Priester wichtig sind. Heilige sind wichtiger als Priester“, sagte der Kardinal.

Posted in

Werden Sie Teil der EWTN-Familie. Abonnieren Sie unseren Newsletter!

*Ich möchte zukünftig den wöchentlichen Newsletter von EWTN.TV mit Impulsen, Programmtips und Informationen rund um Ihren katholischen Fernsehsender per E-Mail empfangen. Diese Einwilligung kann am Ende jedes Newsletters widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.