Papst Pius IX.: Leben, Wirken und Umbrüche des 19. Jahrhunderts

Papst Pius IX.: Leben, Wirken und Umbrüche des 19. Jahrhunderts

Heute gedenkt die katholische Kirche des seligen Papstes Pius IX. Giovanni Maria Mastai-Ferretti stand von 1846 bis 1878 an der Spitze der Kirche und prägte sie in einer Zeit tiefgreifender politischer Revolutionen.

Geboren am 13. Mai 1792 in Senigallia, empfing er 1819 die Priesterweihe und machte sich zunächst als aufgeschlossener Seelsorger einen Namen. Papst Leo XII. ernannte ihn im Jahr 1827 zum Erzbischof von Spoleto; ab 1832 wirkte er als Bischof von Imola. Im Jahr 1840 erhob ihn Papst Gregor XVI. in den Kardinalsstand.

Beim Konklave 1846 galt Mastai-Ferretti als Hoffnungsträger eines moderaten Reformkurses. Nach seiner Wahl am 16. Juni nahm er den Namen Pius IX. an.

Zu Beginn seines Pontifikats setzte er Zeichen durch Verwaltungsreformen im Kirchenstaat und die Erweiterung der Pressefreiheit. Zeitgenössische Beobachter beschrieben ihn als liberal gesinnt. Diese Phase endete jedoch abrupt mit den Revolutionen von 1848/49.

Nach der Ermordung seines Ministerpräsidenten Pellegrino Rossi und der Ausrufung einer römischen Republik floh der Papst ins Exil nach Gaeta. Historiker sehen in diesen Erfahrungen einen Wendepunkt, ab dem sich Pius IX. von einem moderaten Liberalismus zu einer deutlich defensiveren Haltung gegenüber revolutionären und nationalstaatlichen Bewegungen entwickelte.

Pius IX. setzte lehramtlich nachhaltige Akzente. So definierte er 1854 mit der Bulle Ineffabilis Deus das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Vorausgegangen war eine weltweite Befragung der Bischöfe, die er 1849 mit dem Schreiben Ubi primum eingeleitet hatte. Diese Konsultation gilt als frühes Beispiel für die Einbindung der Weltkirche in eine lehramtliche Entscheidung.

1864 veröffentlichte der Papst die Enzyklika Quanta cura zusammen mit dem sogenannten Syllabus errorum. In dem Text werden verschiedene falsche Positionen der Zeit zurückgewiesen. Dazu gehören religiöser Indifferentismus, die Vorstellung einer vollständig autonomen Vernunft ohne Offenbarung sowie staatsrechtliche Modelle, die der staatlichen Gewalt eine umfassende Kontrolle über die Kirche zuschreiben.

Mit dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869–1870) leitete Pius IX. eine weitere Klarstellung ein. In der dogmatischen Konstitution Pastor aeternus definierte das Konzil den Jurisdiktionsprimat des Papstes und die päpstliche Unfehlbarkeit unter klar umrissenen engen Bedingungen.

Unfehlbarkeit gilt demnach nur dann, wenn der Papst ex cathedra eine endgültige Lehre in Fragen des Glaubens oder der Sitten vorlegt. Die Definition von 1854 wird häufig als Musterfall einer solchen feierlichen Lehrentscheidung genannt.

Politisch fiel das Pontifikat von Pius IX. mit der italienischen Einigungsbewegung zusammen. Bereits 1860 verlor der Kirchenstaat große Teile seines Territoriums. Mit der Einnahme Roms durch italienische Truppen 1870 endete die weltliche Herrschaft der Päpste endgültig.

Das italienische „Gesetz der Garantien“ von 1871, das dem Papst eine Sonderstellung zusichern sollte, wies Pius IX. zurück. Er bezeichnete sich fortan als „Gefangener im Vatikan“. In diesem Zusammenhang steht auch die restriktive Haltung gegenüber der politischen Beteiligung italienischer Katholiken, die später unter dem Schlagwort Non expedit bekannt wurde.

Neben den politischen Konflikten förderte Pius IX. den Ausbau der Weltkirche. Er unterstützte Missionen, stärkte kirchliche Ausbildungsstätten und trieb den Aufbau fester kirchlicher Strukturen außerhalb Europas voran. Dazu zählt auch die Wiedererrichtung der katholischen Hierarchie in Ländern wie England, den Niederlanden und Schottland.

Pius IX. starb am 7. Februar 1878 in Rom. Sein Seligsprechungsprozess begann noch im selben Jahr. Papst Johannes Paul II. sprach ihn am 3. September 2000 selig. Das Grab des seligen Papstes befindet sich heute in der römischen Basilika San Lorenzo fuori le mura.

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