Bischof Kohlgraf: „Synodalität ist nicht einfach ein parlamentarisches Miteinander“

Bischof Kohlgraf: „Synodalität ist nicht einfach ein parlamentarisches Miteinander“

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat erklärt, „Synodalität ist nicht einfach ein parlamentarisches Miteinander auf der Suche nach Mehrheiten“. Stattdessen handle es sich um „ein gemeinsames geistliches Suchen nach einem Konsens“.

„Es geht darum, wie wir gemeinsam das Reich Gottes umsetzen können, nicht darum, wie ich meinen Kopf durchsetzen kann“ so Kohlgraf am Samstag bei einer Veranstaltung im Mainzer Kolpinghaus.

Den deutschen Synodalen Weg mit seinen 25 Handlungstexten könne man „nicht einfach in drei Jahren in einem Bistum umsetzen“, sagte der Bischof. „Es braucht in einem Bistum Zeit für Synodales Hören und Verstehen und auch um alle Räte im Bistum überhaupt einzubinden. Und natürlich muss es auch möglich sein, dass jedes Bistum für sich Schwerpunkte bildet.“

„Es geht in erster Linie um eine Haltungsänderung“, stellte er klar. „Und diese Haltung muss eingeübt werden, die ändert sich nicht einfach durch ein Dekret.“

Bis heute hat weder der deutsche Synodale Weg noch die vatikanische mehrjährige Weltsynode zur Synodalität eine eindeutige Definition des Begriffs „Synodalität“ vorgelegt. Zwar ist vielerorts von Haltung die Rede, auch von Zuhören und gemeinsamem Gehen, aber was dies konkret bedeutet, bleibt unklar. Gerade in Deutschland lassen sich die Bischöfe schon lange durch viele verschiedene Gremien beraten.

Der deutsche Synodale Weg ist von den zuständigen vatikanischen Stellen, aber auch von Bischöfen aus aller Welt, in den letzten Jahren wiederholt scharf kritisiert worden, besonders wegen anvisierten Abweichungen von der überlieferten katholischen Lehre, was etwa die Frauenordination oder das Thema Homosexualität angeht. Nichtsdestotrotz wurden die entsprechenden Texte auch von den Bischöfen mit deutlichen Mehrheiten verabschiedet.

Nun soll der Synodale Weg in einer Synodalkonferenz verstetigt werden. In diesem Monat stimmen die deutschen Bischöfe bei ihrer Vollversammlung über die Satzung der Synodalkonferenz ab. Bereits vor einigen Jahren hatten vier Diözesanbischöfe den Synodalen Weg aufgrund der nachhaltigen römischen Kritik verlassen. Einer dieser Bischöfe ist nicht mehr im Amt.

Knackpunkt der Satzung der Synodalkonferenz ist die Idee des gemeinsamen Beratens und Entscheidens von Diözesanbischöfen und Nicht-Bischöfen. In der Satzung heißt es dazu: „Sie berät und fasst Beschlüsse im Sinne ‚synodaler Entscheidungsprozesse‘ (vgl. Abschlussdokument der Bischofssynode, Nr. 94) zu wichtigen Fragen des kirchlichen Lebens von überdiözesaner Bedeutung.“

Der Vatikan unter Papst Franziskus und nun unter Papst Leo forderte trotz aller Kritik am Synodalen Weg nie förmlich, den Prozess mit seinen teils radikalen Änderungsbestrebungen an der überlieferten kirchlichen Lehre zu beenden und Gremien nur so einzurichten, wie es kirchenrechtlich problemlos möglich ist und wie sie in Deutschland auf allen Ebenen existieren.

Nun besteht die Lösung der deutschen Frage entweder darin, die Satzung zu genehmigen, womit alle bisherige vatikanische Kritik als substanzlos erscheinen würde, oder die Satzung abzulehnen, wodurch der Eindruck entstünde, dass der Vatikan erst dann durchgreift, wenn es um die Macht der Bischöfe geht, nicht aber zuvor, wenn zentrale Punkte der katholischen Lehre in Frage gestellt wurden – etwa mit Blick auf Frauenordination, die reguläre Taufspendung und Predigt durch Laien sowie das Thema Homosexualität.

Bischof Kohlgraf erklärte unterdessen: „Ich hoffe, dass die Synodalkonferenz Formen findet, die einladender sind für viele verschiedene theologische Positionen.“

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