Eine kirchliche Tradition erlebt im Erzbistum Köln eine Renaissance: Am heutigen Dienstag empfing Cosma-Anna Engler die Jungfrauenweihe. Die Altenpflegerin entscheidet sich damit für eine Lebensform, die ihre Wurzeln im frühen Christentum hat und seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil weltweit wieder verstärkt Zulauf findet.
Im Gegensatz zu Ordensfrauen leben Angehörige dieses Standes nicht in Klöstern, sondern gehen einem weltlichen Beruf nach und unterstehen direkt dem Diözesanbischof.
Für Engler war der Weg in den Ordo virginum (Stand der Jungfrauen) ein Prozess der geistlichen Unterscheidung. Nachdem sie im Alter von 14 Jahren zur katholischen Kirche übergetreten war, prüfte sie zunächst das Ordensleben. „Ich […] habe mir viele Klöster angeschaut und doch immer wieder gemerkt, dass ist noch nicht ganz das, wozu Jesus mich beruft“, erklärte Engler im Gespräch mit dem Domradio.
Die Entscheidung reifte während ihrer Berufstätigkeit. Engler erkannte in ihrem Arbeitsumfeld in der Altenpflege ein spezifisches Feld für das christliche Zeugnis. „Ich habe dann gemerkt, dass das genau meine Berufung ist: Ich möchte Jesus nachfolgen, Ihm ganz gehören, Ihm geweiht sein und Zeugnis in der Welt für Jesus ablegen“, sagte sie.
Eine Besonderheit des Ordo Virginum ist die Verbindung von weltlichem Alltag und geistlicher Weihe. Engler betonte den Unterschied zum klösterlichen Leben: „Als geweihte Jungfrau hat man die Möglichkeit, auch in nicht offiziellen kirchlichen Institutionen zu arbeiten und dort Zeugnis für die Liebe Jesu abzulegen.“ Zudem erlaube der Stand mehr Freiraum im privaten Leben und im Kontakt zur Familie.
Dennoch ist der Stand mit klaren geistlichen Verpflichtungen verbunden. Dazu gehören das Stundengebet sowie der regelmäßige Empfang der Sakramente. Engler präzisierte: „Auf jeden Fall wird uns das Stundengebet anempfohlen, vor allen Dingen zum Tageseinstieg, die Laudes, und dann die Vesper.“ Auch die Orientierung an den evangelischen Räten – Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam – werde „sehr empfohlen“.
Der Schritt ist endgültig. „Es ist für mich eine klare Entscheidung, die Jungfrauenweihe bleibt ewig. Wenn man einmal geweiht ist als gottgeweihte Jungfrau, dann kann man das nicht rückgängig machen“, unterstrich Engler.
Die Jungfrauenweihe zählt zu den ältesten liturgischen Riten der Kirche. Bereits im Neuen Testament wird die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen bezeugt. Ab dem vierten Jahrhundert bildeten geweihte Jungfrauen einen institutionalisierten Stand.
Nachdem diese Lebensform ab dem Mittelalter weitgehend vom klösterlichen Leben abgelöst wurde, führte Papst Paul VI. den Ritus 1970 auf Basis der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder ein.
Weltweit gibt es Schätzungen zufolge heute mehr als 5.000 geweihte Jungfrauen. Im Erzbistum Köln existiert laut Engler eine lebendige Gruppe: „Wir sind ungefähr 15 Jungfrauen im Erzbistum und haben regelmäßige Treffen.“ Obwohl es sich um eine Einzelberufung handelt, seien die Frauen „trotzdem eine kleine Gemeinschaft“.
Reaktionen aus dem eigenen Umfeld beschrieb Engler als positiv, wenngleich erklärungsbedürftig. „Die meisten fragen tatsächlich direkt: Wirst du jetzt eine Nonne?“, berichtete sie.
Nach entsprechender Erläuterung stoße der Lebensentwurf jedoch auf Interesse. Auch ihre Familie trage die Entscheidung mit: „Es ist eine große Gnade, dass sie mich auch schon seit Jahren auf diesem Weg sehr offen begleiten.“
