Chef der europäischen Bischofskonferenzen: EU als Föderation ist „notwendige Konsequenz“

Chef der europäischen Bischofskonferenzen: EU als Föderation ist „notwendige Konsequenz“

Der Präsident der europäischen Bischofskonferenzen, Bischof Mariano Crociata, hat sich offen gezeigt für den Vorstoß von Mario Draghi, die Europäische Union (EU) in eine „echte Föderation“ zu verwandeln. Draghi war kurze Zeit italienischer Ministerpräsident und vorher acht Jahre lang Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

Euronews berichtete Anfang Februar: „‚Europa läuft Gefahr, untergeordnet, geteilt und deindustrialisiert zu werden‘, wenn es sich nicht in eine ‚echte Föderation‘ verwandelt, sagte der ehemalige italienische Ministerpräsident und Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi zu Wochenbeginn in einer Rede an der belgischen Universität [KU] Leuven. Draghi zufolge ‚erfordert die Macht, dass Europa von einer Konföderation zu einer Föderation übergeht‘, weil die globale Ordnung ‚nicht mehr funktioniert‘.“

Crociata, der Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE), sagte am Montag im Gespräch mit dem Portal Tra Cielo e Terra: „Der Vorschlag einer Föderation scheint die notwendige Konsequenz aus einer internationalen Situation zu sein, die der EU keinen Ausweg lässt.“

„Wir haben uns schon seit langem dafür ausgesprochen, dass zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union nicht nur eine Markt- und Währungsunion und damit verbundene Bereiche geschaffen werden sollten“, erinnerte Crociata. „Schließlich wurde die EU mit dem Ziel gegründet, eine immer größere Einheit anzustreben, nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer Hinsicht.“

„Darüber hinaus haben namhafte Beobachter schon seit langem darauf hingewiesen, dass das europäische Experiment ohne eine Art Verfassung und damit ohne institutionelle Legitimation kaum vorankommen würde“, fuhr er fort. „Jetzt befinden wir uns in einer Situation, in der die wirtschaftliche Autonomie der Union ernsthaft bedroht ist. Sicherlich sind Initiativen zum Ausbau der Handelsbeziehungen zu begrüßen, aber das entscheidende Thema bleibt die Kohärenz und die einheitliche Stärke in Bereichen wie Außenpolitik und Verteidigung.“

Gerade mit Blick auf das letztgenannte Thema, die Verteidigungspolitik, sagte der COMECE-Präsident: „Wir erkennen die Notwendigkeit einer starken Europäischen Union an, die in diesen unsicheren Zeiten in der Lage ist, ihre Bürger und Werte in Europa und weltweit zu schützen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die ursprüngliche Berufung der EU darin besteht, ein Friedensprojekt zu sein. Jede notwendige, verhältnismäßige und angemessene Investition in die europäische Verteidigung darf daher nicht zu Lasten der Bemühungen um die Förderung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit, der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung und der Bewahrung der Schöpfung gehen.“

„Wirksame Kontrollmechanismen und ein kontinuierliches diplomatisches Engagement sind unerlässlich, um ein gefährliches Wettrüsten zu verhindern, das der Sache des Friedens nicht dienlich wäre“, betonte er.

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