Die Bischöfe in Indien haben Kardinal Anthony Poola zum neuen Präsidenten der indischen Bischofskonferenz gewählt. Damit steht erstmals ein Angehöriger der Dalit-Gemeinschaft („Unberührbare“) an der Spitze des Gremiums, das rund 20 Millionen Katholiken vertritt.
Seine Wahl erfolgte am vergangenen Samstag im Rahmen der 37. Vollversammlung der Bischofskonferenz in Bengaluru. Damit übernimmt der 64-jährige Erzbischof von Hyderabad die Leitung der Kirche auf dem Subkontinent in einer Phase, die von gesellschaftlichen Herausforderungen geprägt ist. Poola gilt als erfahrener Seelsorger und Kirchenmann.
Als historischen Schritt begrüßte die Allindische Katholische Union (AICU), die älteste Laienorganisation des Landes, die Entscheidung. AICU-Präsident Elias Vaz bezeichnete laut Domradio die Wahl Poolas als „ein starkes Zeichen dafür, dass Dalits ihren rechtmäßigen Platz in der Hierarchie der katholischen Kirche finden“.
Vaz betonte die gesellschaftliche Tragweite der Personalentscheidung. Sie stehe „für den breiteren Kampf für soziale Gerechtigkeit und Gleichheit in unserer Gesellschaft“. Der Präsident der Laienorganisation äußerte die Hoffnung, dass dieser Durchbruch „voraussichtlich den Weg für eine stärkere Repräsentation von Dalits als Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laienführer in der gesamten Kirche Indiens ebnen“ werde.
Hintergrund: Dalits in der Kirchenhierarchie
Dalits bilden die niedrigste Stufe des hinduistischen Kastensystems und wurden früher als „Unberührbare“ ausgegrenzt. Heute stellen sie die Mehrheit der indischen Katholiken, nämlich rund drei Viertel, wie Vatican News berichtete. In der kirchlichen Hierarchie spiegelt sich dieses Verhältnis jedoch bislang kaum wider: Von den rund 180 Bischöfen sind lediglich etwa zwölf Dalit. Dies entspricht einem Anteil von weniger als zehn Prozent.
Viele Dalits konvertierten historisch zum Christentum, um der Diskriminierung im Kastensystem zu entkommen. Auch innerhalb der Kirche sehen sie sich jedoch oft mit Hürden konfrontiert.
Biografische Notizen
Poola wurde am 15. November 1961 in Poluru als Sohn einer katholischen Dalit-Familie geboren. Nach seiner Priesterweihe am 20. Februar 1992 arbeitete er zunächst in der Seelsorge und absolvierte von 2001 bis 2003 ein Masterstudium an der Loyola University in Chicago (USA).
Papst Benedikt XVI. ernannte ihn im Jahr 2008 zum Bischof von Kurnool. Am 19. November 2020 berief ihn Papst Franziskus zum Erzbischof von Hyderabad und nahm ihn am 27. August 2022 als ersten Dalit in das Kardinalskollegium auf.
