Anglikanische „Kirche von England“ beendet umstrittenen LGBT-Prozess

Anglikanische „Kirche von England“ beendet umstrittenen LGBT-Prozess

Überraschend hat die Generalsynode der anglikanischen „Kirche von England“ für die Beendigung des umstrittenen LGBT-Prozesses „Living in Love and Faith“ (LLF) gestimmt. Gleichzeitig sprach sich das Gremium für die Etablierung neuer Strukturen aus, welche die Arbeit zu homosexuellen Verbindungen fortsetzen sollen.

2017 wurde der LLF-Prozess initiiert, um Fragen zu Identität, Sexualität und Ehe zu untersuchen. Laut Angaben der Anglikaner beliefen sich die Kosten bis 2025 auf insgesamt 1,66 Millionen Pfund (ca. 1,9 Millionen Euro), die hauptsächlich für Personal, Beratungsleistungen und Konferenzen aufgewendet wurden.

Bereits im Februar 2023 hatte die Synode für die Einführung der „Prayers of Love and Faith“ gestimmt. Diese Segnungen für homosexuelle Verbindungen in staatlichen eingetragenen Lebenspartnerschaften sind seither Teil regulärer Gottesdienste, stellen jedoch keine Eheschließung nach anglikanischem Verständnis dar.

Der nun verabschiedete Antrag erkennt „den Schmerz, den viele während des LLF-Prozesses empfunden haben, insbesondere LGBTQI+-Personen“ an. Die Abstimmung fiel mehrheitlich positiv aus: So stimmten die Bischöfe mit 34 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen dafür, der Klerus mit 109 zu 62 bei 10 Enthaltungen und die Laien mit 109 zu 70 bei 9 Enthaltungen.

Durch den Beschluss werden zwei neue Gremien geschaffen. Eine Arbeitsgruppe für „Beziehungen, Sexualität und Geschlecht“ soll prüfen, welche kirchenrechtlichen Schritte für die Genehmigung eigenständiger Gottesdienste für homosexuelle Verbindungen erforderlich sind.

Bislang sind solche Segnungen nur im Rahmen regulärer Gottesdienste möglich. Zudem soll die Gruppe untersuchen, welche Gesetzesänderungen notwendig wären, um Geistliche in homosexuellen Verbindungen zuzulassen.

Ergänzend wird eine pastorale Beratungsgruppe eingerichtet. Sie soll Bischöfen und Erzdiakonen in Einzelfällen Orientierung bieten und eine einheitliche Praxis in der anglikanischen Kirche fördern.

Der anglikanische Erzbischof von York, Stephen Cottrell, äußerte sich in der fünfstündigen Debatte deutlich zu den innerkirchlichen Zerwürfnissen. „Das ist nicht der Punkt, an dem ich uns haben möchte, und auch nicht der Punkt, an dem ich uns vor drei Jahren haben wollte“, erklärte Cottrell.

Er betonte die Notwendigkeit, den bisherigen Prozess zu beenden, um neue Wege zu beschreiten: „Wir wissen jetzt, welche Fragen theologisch, liturgisch, synodal und rechtlich gestellt werden müssen, um einen Weg nach vorne zu finden, und wir müssen LLF abschließen, um Raum für diese Arbeit zu schaffen.“

Zum Abschluss der Debatte sprach Sarah Mullally, die anglikanische Erzbischöfin von Canterbury. Sie räumte ein, dass der Prozess Spuren hinterlassen habe: „Ich bin mir bewusst, dass LLF schwer war. Es hat uns als Individuen und auch als Kirche verletzt.“

Diese Entwicklungen in England belasten das Verhältnis zu weiten Teilen der anglikanischen Weltgemeinschaft. Anfang Oktober 2025 hatten die Anglikaner in Nigeria unter Führung von Erzbischof Henry Ndukuba ihre „spirituelle Unabhängigkeit“ von Canterbury erklärt. Auslöser war die Ernennung von Mullally zur ersten weiblichen Erzbischöfin von Canterbury, wie CNA Deutsch berichtete.

Ndukuba bezeichnete dies als „schweren Verrat“ und kritisierte Mullallys Unterstützung für die gleichgeschlechtliche „Ehe“. Die nigerianischen Anglikaner, die mit über 18 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Provinz der Gemeinschaft bilden, sehen darin eine Abkehr von biblischen Wahrheiten. Sie orientieren sich stattdessen an der „Global Anglican Future Conference“ (GAFCON), die als Reaktion auf liberale Tendenzen gegründet wurde.

Aus katholischer Sicht sind anglikanische Weihen gemäß dem Schreiben Apostolicae curae von Papst Leo XIII. ungültig, da das anglikanische Verständnis des Priestertums meist als funktionales Amt und nicht als sakramentale Repräsentation Christi verstanden wird.

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