Kardinal Ouellet lobt Zulassung von Frauen in kirchlichen Führungsämtern als mutig

Kardinal Ouellet lobt Zulassung von Frauen in kirchlichen Führungsämtern als mutig

Angesichts der jüngsten Ernennung einer Ordensfrau für das vatikanische Presseamt durch Papst Leo XIV. hat Kardinal Marc Ouellet die theologische Basis für Laien in der Kirchenleitung analysiert. Der Kanadier bezeichnete die grundlegende Öffnung dieser Ämter für Frauen als „vielversprechend für die Zukunft“.

Am vergangenen Freitag ernannte Papst Leo XIV. die kroatische Ordensfrau Nina Benedikta Krapić zur neuen stellvertretenden Leiterin des vatikanischen Presseamtes. Sie folgt auf die brasilianische Journalistin Cristiane Murray.

Mit dieser Entscheidung werden die Weichenstellungen des verstorbenen Papstes Franziskus aus den letzten Jahren fortgesetzt. So wurde im Januar 2025 Schwester Simona Brambilla zur Präfektin des Dikasteriums für die Institute des geweihten Lebens ernannt – die erste Frau an der Spitze einer vatikanischen Behörde. Im Februar 2025 folgte die Ernennung von Schwester Raffaella Petrini zur Präsidentin des Governatorats des Staates der Vatikanstadt.

Vor diesem Hintergrund hat sich Kardinal Marc Ouellet grundsätzlich zur Frage der Leitungsvollmacht in der Kirche geäußert. In einem Beitrag auf Vatican News reflektierte Ouellet über die „mutigen Entscheidungen“, Laien und Ordensfrauen Aufgaben anzuvertrauen, die traditionell Klerikern vorbehalten waren.

Ouellet räumte ein, dass diese Praxis Spannungen erzeuge. Sie stehe „im Widerspruch zu der seit jeher bestehenden Tradition, Führungspositionen ordinierten Geistlichen anzuvertrauen“. Der Kardinal verwies auf das Zweite Vatikanische Konzil, das die Sakramentalität des Bischofsamtes in Lumen gentium 21 definiert habe.

„Daher rührt das Unbehagen über eine päpstliche Entscheidung, die zwar respektiert wird, aber vielleicht als vorübergehend angesehen wird“, so Ouellet. Manche wünschten sich eine „Bekräftigung der engen Verbindung zwischen dem geweihten Amt und der Funktion der Leitung der Kirche“.

Der Kardinal argumentierte jedoch, dass das Weihesakrament nicht die „ausschließliche Quelle aller Leitung in der Kirche“ sei. Er bezog sich dabei auf die Apostolische Konstitution Praedicate Evangelium zur Reform der römischen Kurie aus dem Jahr 2022. 

Unter Theologen wird die Konstitution weiterhin kontrovers debattiert. Kern der Änderung ist die Trennung von Weihesakrament und Leitungsgewalt. So legt das Dokument fest, dass die Vollmacht an der Kurie nicht aus der Weihe stammt, sondern vom Papst verliehen wird.

Dies ermöglicht rechtlich zwar die Ernennung von Laien zu Spitzenämtern. Kritiker warnen jedoch vor einem Spannungsverhältnis zur Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils. In Lumen gentium hatte die Kirche noch die Einheit von Weihe und Leitung betont.

Ouellet merkte an, dass die kirchenrechtliche Begründung bei der Einführung der Konstitution „nicht auf allgemeine Zustimmung“ gestoßen sei, da sie eine „jahrhundertealte Kontroverse auf voluntaristische oder willkürliche Weise zu lösen schien“.

Er schlug daher eine theologische Lesart vor, die über rein kirchenrechtliche Positionen hinausgeht und die Rolle des Heiligen Geistes betont. Es gehe nicht darum, „die hierarchische Leitung durch eine charismatische Leitung zu ersetzen“, sondern Kompetenzen anzuerkennen.

Nach Ouellet müssen geweihte Amtsträger auf Menschen zählen können, die mit Charismen ausgestattet sind. Dies bedeute nicht, Laien Aufgaben zu übertragen, „die im christologischen Sinne streng sakramental sind, sondern vielmehr, ihre Charismen in den Dienst des Heiligen Geistes zu integrieren“.

In Bereichen wie der Personalverwaltung, der Rechtspflege oder dem ökumenischen Dialog sei eine sakramentale Weihe nicht zwingend erforderlich. „Wenn der Papst eine Frau zur Leiterin eines Dikasteriums ernennt, überträgt er seine Jurisdiktion nicht an einen Untergebenen“, erklärte Ouellet. Vielmehr betraue er eine Person, die aufgrund eines Charismas kompetent sei, mit Verantwortung.

Der Kardinal sehe in dieser Entwicklung eine Chance zur Überwindung interner Probleme der Kirche. Die Neuausrichtung werde dazu beitragen, „das Ansehen der pastoralen Autorität wiederherzustellen, das durch die Geißel des Klerikalismus […] diskreditiert wurde“. Er warnte vor einer „Kastenmentalität“ und dem Streben nach Aufstieg in der Hierarchie.

Abschließend äußerte sich Ouellet optimistisch über den eingeschlagenen Weg. Er habe „keinen Zweifel daran, dass die Geste von Papst Franziskus vielversprechend für die Zukunft ist“.

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